Kommt und geht

Es ist mal wieder so weit: Die Zeit der Jahrestage.

Zuerst hat meine Schwester Geburtstag. Dann Jesus. Dann ich. Und am Schluss das ganze Kalenderjahr.

Ansonsten ist saisonbedingt nicht so viel los auf der Insel. Na gut, heute kamen über neunhundert Gäste an. Das sind die Silvester-auf-Helgoland-Menschen.

Am dritten Januar sind die alle wieder auf und davon und die Passagierzahlen sinken wieder in den gepflegt zweistelligen Bereich.

So geht das, Jahr um Jahr. Neunundfünfzig sind es nun für mich und sechs davon auf Helgoland.

Irgendwie bringt mich das nach wie vor zum Staunen, auch wenn ich nicht recht erklären kann, wieso. Eigentlich ist doch nur dieser Planet wieder einmal um die Sonne gekreist.

Und ja, dieses Jahr bekam ich von Fe einen Planeten geschenkt (der Vorgänger war leider beim vor-vor-vorigen Umzug entzwei gegangen). Den ganzen Morgen sind wir mit den Fingern herumgereist.

Mission Improbable

Natürlich ist Helgoland der schönste aller denkbaren Wohnorte. Sonst würden wir ja nicht hier leben wollen.

Trotzdem gibt es hier auch spezielle Probleme und ich meine jetzt nicht eine gewisse Tendenz zu Schietwetter im Winter, Inselschnack ganzjährig oder die Trinkwasserpreise.

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Nein, es geht um Weihnachtspakete. Genauer gesagt, die Pakete für Fe’s Söhne. Wenn wir hier Pakete versenden wollen, müssen wir nicht nur zur Post, sondern auch zum Zoll. Praktischerweise residieren die im gleichen Gebäude.

Denn Helgoland gehört zwar zum deutschen Wirtschaftsgebiet (also haben wir den Euro und auch diverse deutsche Steuern), nicht aber zur europäischen Zollunion. Also führen wir mit den Weihnachtspaketen Waren in die Union ein (auch wenn wir sie vorher auf dem Festland gekauft haben). Und diese Waren müssen bei der Einfuhr verzollt werden.

Es gibt eine Freigrenze. Die liegt bei 22 Euro. Zwei-und-zwanzig. Das sollte ich nach sechs Jahren eigentlich wissen. Andererseits lebt Fe erst seit eineinhalb Jahren hier und in der Vergangenheit verlief die Zollabfertigung meistens eher so:

Ich: Hallo.

Zollbeamter: Na, Weihnachtsgeschenke?

Ich: Jau.

Zollbeamter: *Klebt einen Abfertigungsaufkleber aufs Paket* Na denn, frohe Feiertage!

(Bevor hier ein falscher Eindruck entsteht: Das klappt nur einmal pro Jahr. Vorzugsweise im Dezember.)

Inzwischen haben wir aber neues Personal beim Zoll.

Ich: Hallo. Hab hier zwei Weihnachtspakete.

Zollbeamter: Was ist da drin?

Ich: Bisschen Schokolade, zwei Bücher…

Zollbeamter: Nein, nein, ich brauche den Warenwert. Über 22 Euro?

Ich: Äh. Glaube schon.

Zollbeamter: Dann geht das so nicht. Ich brauche die Kaufbelege als Nachweis.

Ich: *Schleife die Pakete wieder nach Hause und krame dann nach den diversen Zetteln*

Am nächsten Tag:

Ich: Hallo, ich hab jetzt die Belege. Und eine Liste über den Gesamtwert.

Zollbeamter: Das wird aber teuer. Teurer als der ganze Inhalt.

Ich: Äh. Wie teuer denn?

Zollbeamter: *Rollt die Augen* Aaach, das ist sehr kompliziert zu berechnen.

Ich: Auweia.

Zollbeamter: Geben Sie’s doch jemand mit, der aufs Festland fährt.

Ich: Und das ist erlaubt?

Zollbeamter: Na klar. Das ist dann persönliches Reisegepäck. Das geht bis 430 Euro.

Ich: *Seufz*

Also klappere ich Freunde und Bekannte ab. Keiner hat Reisepläne für die nächsten Tage. Ein paar Tage später fahre ich dann selbst mit dem Schiff nach Cuxhaven.

Es ist Vollmond. Und Winter. Da wird es um vier Uhr nachmittags dunkel.

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Cuxhaven sieht aus wie… Cuxhaven.

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Auf der Post brauche ich zwei Minuten und 18 Euro.

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Und dann fahre ich wieder zurück.

Siebzehn, achtzehn und so weiter

Wochenlang war ich blogmüde.  Im Dezember gab es beruflich einiges zu tun und größtenteils war das ziemlich nervig.

Vor Weihnachten kam dann Fe mit dem Langen Jan™ vom Festland herüber und alles wurde ein wenig besser. Auch wenn wir am 24.12. erst mal kucken mussten, wie wir die Heizung in der extra angemieteten Wohnung repariert kriegen. Es geht nix über die aufopfernde Solidarität diverser ArbeitskollegInnen :-) .

Die Feiertage vergingen ohne unnötigen Trööt und Tamtam. Jan ist ein entschiedener Weihnachtsgeschenkkonsumterrorsch***-Verweigerer und was gibt es wohl sonst, wenn eine Deutschlehrerin und ein Gästeführer auf Helgoland bei Schietwetter Weihnachten feiern?

Genau.

Und coole Socken :-) .

Und Schietwetter gab es dann ordentlich. Zwei Orkane zogen über uns hinweg und Jan wollte sich das natürlich im Oberland genau ansehen.

Nein, er fällt nicht gerade um, er steht einfach nur da. Oder was man bei Beaufort 11 so nennt.

Den Wind kann man halt nicht fotografieren.

Dazwischen war es plötzlich wieder ganz friedlich.

Beim Spaziergang auf der Düne hatten sich aber die meisten Robben vor dem Sturm vom Strand ins Innere der Düne verkrochen.

Oder mal kurz am Flughafen vorbeigeschaut.

Da war’s mit dem Mindestabstand vom 30 Metern gar nicht so einfach. Musst du aufs Klo? Pech.

Besonders wichtig, wenn die Mutter mit dem Neugeborenen am Strand ein Nickerchen hält. Denn wenn die Mama ihren Nachwuchs in Gefahr glaubt, kann sie so schnell werden wie ein gut trainierter Fahrradfahrer.

Hallo.

Keine Fotos, bitte.

Ich bin nämlich der krasseste Gähner vom ganzen Strand.

Auch andere Säugetiere liegen am Strand herum (Robbe: Bildmitte links ;-) .

Hier ist die Lage gerade etwas unübersichtlich.

Fe will mit der Nordsee “wann kommt die richtig große Welle” spielen.

Die Nordsee mogelt.

So sieht’s aus.

Dann kam der Jahreswechsel. Diesmal haben wir uns nicht derartig den Bauch mit Falafel vollgeschlagen, dass wir den Gongschlag verpasst haben.

Knallpängbumm und so weiter, aber um eins war wieder Ruhe im Schiff.

Der Inselfunk berichtet, dass es in der Nordseehalle noch bis in den frühen Morgen weiterging und am Schluss gab es traditionell auch ordentlich was auf die Omme. Zwei Offshore-Guys hatten sich irgendwie mit der Dorfjugend angelegt. Immer eine schlechte Idee.

Aber da waren wir sowieso schon im Bett.

Peace everybody!

Das Haus, das schläft

Dieses Jahr bin ich zu Weihnachten nicht auf dem Felsen, sondern ziemlich weit weg auf dem Festland. Das ist eine lange Geschichte, die für die meisten Leute nicht von Interesse ist. Und die anderen wissen sowieso schon Bescheid.

Es ist ein wenig anders, als mit einem Handbier an der Steilklippe zu stehen und in Richtung Südhafen zu schauen. Im Sommer war ich schon einmal hier und nannte es das Haus, das schläft. Doch nun sind seine Bewohner für ein paar Tage zurückgekehrt, ich stehe im Garten und fühle mich gleichzeitig fremd und zuhause.

Haltet die Ohren steif, Leute und macht es gut.

Festland, Weihnachtsland, Schnupfenland

Ich hatte mir so viel vorgenommen. Aufs Festland wollte ich, hatte eine ganze Liste von Freunden und Verwandten, die ich an Weihnachten besuchen wollte.

Dann haben mich die Armee der Festlandsverschnupften und die Dosenluft in den Waggons der Bahn schon auf der Strecke zwischen Hamburg und Ruhrgebiet zur Strecke gebracht. Bäh.

Seit ich auf dem Felsen lebe, habe ich keinen Schnupfen mehr gehabt. Eine Erkältung bedeutet hier, daß man zu lange in der Kälte gestanden hat und einem die Knochen wehtun. Das läßt sich mit einer Wärmeflasche und lange ausschlafen kurieren.

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Stattdessen habe ich mich von meinen Freunden an diesem Weihnachtsfest so lange wieder aufpäppeln lassen, bis ich zum Ende des Urlaubs wieder einigermaßen transportfähig war.

Cool, solche Freunde zu haben.

Weihnachten Nr. 53

Tja, mal wieder dieser Tag. Der Tag, an dem viele Menschen ihr Leben, ihre Wirklichkeit an einem eventuell übersteigerten, medial hochgekitschten Heile-Welt-Ideal messen. Das kann anstrengend sein oder auch enttäuschend.

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Glücklicherweise bleibt man hier auf der Insel (neben vielen anderen zeitgeistigen Unfällen) von der zweimonatigen Vorweihnachts-Hirnmassage weitgehend verschont. Ich tue, was ich sonst auch oft tue, laufe Richtung Norden zur langen Anna, zurück am Leuchtturm vorbei und schaue hinunter ins Dorf.

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Auf der Berliner Treppe biedert sich eine dreifarbige Katze an. Ja ja, meine Liebe, wenn du bloß nicht so komische Eßgewohnheiten hättest!

Ich denke an abwesende Freunde, die jetzt an wärmeren Stränden sitzen. Das läßt sich nicht ganz vermeiden.

Und hey, Leute, worum geht es denn heute – wenn überhaupt? Jaaahah, ich weiß, dieser ganze Kram gilt inzwischen als uncool bis politisch unkorrekt, aber die Geschichte dreht sich doch eigentlich um eine Patchwork-Familie mit Migrationshintergrund und am Rande der Obdachlosigkeit:

Verheiratet sind sie ja nicht und sie ist zwar hochschwanger, aber das Kind ist nicht von ihrem aktuellen Freund. Überhaupt ist das so eine mysteriöse Angelegenheit mit dem Vater. Und aufgrund von Buchungs- und Reservierungsproblemen kommt das Kind dann in der Hotelgarage zur Welt. Und das ist die Form (sagt die Legende), die der Erlöser der Welt sich ausgesucht hat, um zu uns zu kommen.

Ich gehe nach Hause, mache eine Suppe warm und lese was. Ein Mittwoch, und nicht einer der schlimmsten, die ich hatte ;-).

Der Weihnachtsmarkt, der Mond und der Nikolaus

Auch hier gibt es einen Weihnachtsmarkt, nur ist der etwas kleiner und mit weniger Gedrängel, als ich das aus den vergangenen Jahren kenne. Ganz so leer, wie es auf diesem Foto scheint, ist es aber auch nicht – das liegt nur an der langen Belichtungszeit.

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Gnädigerweise beschränkt er sich auch auf insgesamt fünf Tage und ich stelle gerade fest, daß ich in den vergangenen fünf Jahren auf dem Festland etwa sechs Monate auf Weihnachtsmärkten verbracht habe. (Und ja, natürlich habe ich da gearbeitet, was dachtet ihr denn? ;-)

Ich gehe weiter in den Südhafen. Alles ruhig, lalelu, nur der liebe Mond schaut zu. Die CTVs sind heute nicht rausgefahren, aber das hat nix mit dem Nikolaus zu tun, sondern mit der Wellenhöhe draußen auf der Windpark-Baustelle. Ab zwei Meter wird es zu gefährlich beim Aussteigen.

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Dann gehe ich nach Hause und an meiner Zimmertür hängt ein Weckmännchen. Hm, deswegen hat also wohl unsere Chefin gefragt, ob die Haustür abgeschlossen ist.

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Nein, ist sie nicht, das macht hier keiner.

Grauzone

Dezember. Die endemische Weihnachtsbeleuchtung im öffentlichen Raum ist auch hier auf der Insel angekommen, aber meistens sieht man nicht so viel davon.

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Der Wind aus Ostsüdost bringt eine Mischung aus Nebel und Gischt. Der Leuchtturm ist weg, der Sendemast auch. Die Landungsbrücke nur noch eine Silhouette.

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Gott spielt mit Ph*toshop und dreht die Farbsättigung ganz weit runter. Nebelbänke wehen übers Meer heran und ziehen weiter zum Englandbesuch. Now you see it, now you don’t.

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In der Bücherei klappern die Fensterscheiben. Tja, sagt die Bibliothekarin, das ist so, seitdem für die Erweiterung der Südpromenade die alten Büsche und Sträucher weggebaggert wurden. Im Frühling werden sie wieder neu gepflanzt.

Frühling. Ha!