Aussichten

Die Sturmsaison gab noch einmal alles.

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Dann wurde es endlich etwas stiller und die Zugvögel, die um diese Jahreszeit hier auf dem Felsen zwischentanken, kamen wieder zum Vorschein.

Einer sitzt morgens in der Palme vor dem Wohnzimmerfenster und sieht uns beim Frühstücken zu.

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Normalerweise ist das auch die Jahreszeit, in der der Insulaner allmählich aus dem Winterschlaf erwacht und sich mit ein paar Kniebeugen für die neue Saison fit macht.

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Daraus wird aber fürs Erste nichts werden.

Es ist sowieso still in den Straßen im März, aber heute fühlt sich die Stille anders an. Und bald wird es noch stiller sein. Natürlich ist das für die Insulaner, die größtenteils vom Tourismus leben, ein zusätzliches Desaster.

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Und doch: Die Leute vom Inselmarkt haben sich bereit erklärt, den Inselsenioren ihre Bestellungen nach Hause zu liefern. Und Helgoland ist und bleibt der Ort, an dem man den Kram vor die Tür stellen kann. Da bleibt er dann auch, bis der rechtmäßige Besitzer ihn ‘reinholt.

Reparaturen

Nachdem “Sabine” über die Insel gefegt war, kam “Victoria” (keine Ahnung, was mit den Buchstaben dazwischen passiert ist) und dann kam einfach nur noch Sturm, dessen Namen einem allmählich egal wird.

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Und dann passierte etwas Seltsames.

Der Seegang ließ nach und der Himmel nahm teilweise eine ungewohnte Farbe an. Oder sagen wir mal, er nahm eine Farbe an. Außerdem erschien ein grell leuchtender Punkt, den man nicht mit bloßem Auge ansehen konnte.

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Auf der Straße begegnet man gelegentlich wieder Menschen und am Brutfelsen sind die ersten Frühbucher zu bewundern.

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Dann ruft Mike von der Jugendherberge an: Das Gäste-WLAN läuft irgendwie merkwürdig langsam. Ob ich da mal…

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Ja, kann ich. Aber nichts versprechen.

Die Jugendherberge liegt als einziges Gebäude am äußersten Nord-Ost-Ende der Insel und hat ADSL Baujahr 2005. Daher gibt es eine zusätzliche Richtfunkstrecke zu einem Haus auf der Steilklippe und in der Herberge wird alles über Freifunk-Router verteilt (ja, die Herbergsväter sind trotz ihrer anachronistischen Berufsbezeichnung im 21. Jahrhundert angekommen ;-) . Hmmm…

Da wir im Oberland wohnen, nehme ich den Weg über den Jägersteig, die winzige Nebentreppe, die im Nordosten 60 Meter hinab zum Nord-Ost-Strand führt. Ist kürzer.

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Auf dem Weg sucht an der Inselschule eine fußballbegeisterte Möwe nach dem Ball. Vielleicht sind es aber auch nur die Sonnenstrahlen, die mich gehirnalbern machen.

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Schon von oben sieht man die Spuren, die die Stürme der vergangenen Tage hinterlassen haben.

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An der Wasserlinie sind die Wellen vom zerschlagenen und zermahlenen Inselgestein rot gefärbt. “Rooad Weeter” heißt das auf helgoländisch.

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Die merkwürdigen “Treppenstufen” sind Sandtaschen, die die Dünenkante stützen und schützen sollen. Haben sie auch, aber die anderthalb Meter Sand, die letzte Woche noch darüber lagen, sind fortgerissen worden.

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Dafür hat die Brandung ein paar vom Inselfelsen abgerissene Steine abgeladen. Da möchte man zu diesem Zeitpunkt ungern gestanden haben.

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Andere, obskurere Objekte werden von der See wieder preisgegeben. Ein Teil eines Kanonenofens wahrscheinlich. Aber wen hat der gewärmt und wann? Im zweiten Weltkrieg war hier die Großbaustelle für die sinnlose Seefestung der Nazis.

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Die zerschlagene Nord-Ost-Mole erinnert immer noch daran. Irgendwie ganz schön symbolisch, oder?

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Und die Freifunk-Router? Naja, denen gehts eigentlich gut, abgesehen davon, dass die Antwortzeiten alle dreißig Sekunden von 50 auf 250 Millisekunden spiken. Hä???

Ach so, und die Leute fragen mich, warum sie Teile der ARD-Mediathek nicht ansehen können. Wenig verwunderlich eigentlich, weil sich die Freifunk-Router netzgeografisch in Skandinavien befinden, wo manche gesetzliche Bestimmungen für das Internet weniger dusselig sind als hierzulande. Genauso wie das Geo-Fencing der Mediathek, grummel.

Aber dafür sind die Werbe-Einblendungen bei Jutjuub alle auf dänisch, schwedisch oder norwegisch, was manchmal ganz lustig sein kann.

Sabine

Sabine heißt die freundliche Helgoländerin, die alle paar Tage unsere telefonischen Lebensmittel-Bestellungen entgegennimmt (da man ja kein Auto hat, werden alle schwergewichtigen Dinge mit der Elektrokarre nach Hause geliefert). Sabine ist immer freundlich und klingt gut gelaunt.

Heute ist aber ihre Namensschwester hier und die ist anders drauf. Als erstes hat sie den Inselkindern die Schulfahrt zum Festland vermasselt. Und sobald man ein Fenster öffnet, fängt sie an zu krakeelen: Wat willst du denn? Willste wat? Dann komm doch her!

Nee, danke, ich hab schon.

Aber dann kommen die ersten Anfragen von Festlandsfreunden, wie es denn so läuft, also gehe ich doch noch mal vor die Tür. Wahrscheinlich ist es hier im Freien ungefährlicher als auf dem Festland, weil hier keine Bäume umstürzen oder Dachziegel auf den Kopf fallen könnten.

Auf der Ostseite kann man sich relativ normal bewegen und sogar Fotos machen, weil die Stürme fast immer aus Nordwest kommen. Sieht eigentlich normal aus, außer dass hinter der Jugendherberge überm Sellebrunn ein wenig zu viel Brecher zu erahnen sind.

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Auf der Südseite wird es schon etwas schwieriger. Man kann die Düne zwar noch sehen, aber nicht mehr erreichen. Es mögen nur 800 Meter sein, aber die Dünenfähre fährt heute lieber nicht.

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An der Westseite könnte man sehen, wie die Nordseite gegen das Bollwerk des Südhafens anrennt. Wenn man etwas sehen könnte.

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Kann man aber nicht, weil da nicht einfach Regen angefegt kommt, sondern Salzgischt und die ist selbst für Brillenträger ziemlich unangenehm. Abgesehen davon, dass der Wind dir sofort die Kamera wegnehmen möchte.

Einen Moment lang überlege ich, ob ich da jetzt hinunterklettere, um etwas näher an das Spektakel heranzukommen. Dann fällt mir ein, dass ich das vor drei Jahren mal getan habe. Und wie das war.

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Stattdessen gehe ich doch lieber nachhause, wo die Liebste wartet, die Palme wedelt und der Kühlschrank schnurrt.

Nicht schon wieder

Vor zwei Wochen gab es einen Tag, an dem die Sonne schien. Die Helgoländer wickelten sich die Schals aus dem Gesicht und wurden ungewöhnlich redselig. Sonne macht albern.

Jetzt ist aber wieder Schluss mit lustig. Der Frostriese ist zurück.

Er hat sich einen anderen Decknamen zugelegt, aber das nutzt nichts. Haben wir uns nicht schon mal gesehen?

Und überhaupt: Irenäus??? Was soll das denn für ein Name sein? Mir machst du nichts vor.

Der Inseldoc verlängert meinen Krankenschein, weil er weiss, was ich beruflich so mache und weil die Fenster der Arztpraxis genauso klappern wie meine zuhause.

Macht auch keinen großen Unterschied. Kein Schiff fährt heute. Und morgen auch nicht.

 

Siebzehn, achtzehn und so weiter

Wochenlang war ich blogmüde.  Im Dezember gab es beruflich einiges zu tun und größtenteils war das ziemlich nervig.

Vor Weihnachten kam dann Fe mit dem Langen Jan™ vom Festland herüber und alles wurde ein wenig besser. Auch wenn wir am 24.12. erst mal kucken mussten, wie wir die Heizung in der extra angemieteten Wohnung repariert kriegen. Es geht nix über die aufopfernde Solidarität diverser ArbeitskollegInnen :-) .

Die Feiertage vergingen ohne unnötigen Trööt und Tamtam. Jan ist ein entschiedener Weihnachtsgeschenkkonsumterrorsch***-Verweigerer und was gibt es wohl sonst, wenn eine Deutschlehrerin und ein Gästeführer auf Helgoland bei Schietwetter Weihnachten feiern?

Genau.

Und coole Socken :-) .

Und Schietwetter gab es dann ordentlich. Zwei Orkane zogen über uns hinweg und Jan wollte sich das natürlich im Oberland genau ansehen.

Nein, er fällt nicht gerade um, er steht einfach nur da. Oder was man bei Beaufort 11 so nennt.

Den Wind kann man halt nicht fotografieren.

Dazwischen war es plötzlich wieder ganz friedlich.

Beim Spaziergang auf der Düne hatten sich aber die meisten Robben vor dem Sturm vom Strand ins Innere der Düne verkrochen.

Oder mal kurz am Flughafen vorbeigeschaut.

Da war’s mit dem Mindestabstand vom 30 Metern gar nicht so einfach. Musst du aufs Klo? Pech.

Besonders wichtig, wenn die Mutter mit dem Neugeborenen am Strand ein Nickerchen hält. Denn wenn die Mama ihren Nachwuchs in Gefahr glaubt, kann sie so schnell werden wie ein gut trainierter Fahrradfahrer.

Hallo.

Keine Fotos, bitte.

Ich bin nämlich der krasseste Gähner vom ganzen Strand.

Auch andere Säugetiere liegen am Strand herum (Robbe: Bildmitte links ;-) .

Hier ist die Lage gerade etwas unübersichtlich.

Fe will mit der Nordsee “wann kommt die richtig große Welle” spielen.

Die Nordsee mogelt.

So sieht’s aus.

Dann kam der Jahreswechsel. Diesmal haben wir uns nicht derartig den Bauch mit Falafel vollgeschlagen, dass wir den Gongschlag verpasst haben.

Knallpängbumm und so weiter, aber um eins war wieder Ruhe im Schiff.

Der Inselfunk berichtet, dass es in der Nordseehalle noch bis in den frühen Morgen weiterging und am Schluss gab es traditionell auch ordentlich was auf die Omme. Zwei Offshore-Guys hatten sich irgendwie mit der Dorfjugend angelegt. Immer eine schlechte Idee.

Aber da waren wir sowieso schon im Bett.

Peace everybody!

Fein fein fein

Tja, das war’s wohl erst mal mit dem Sommer. Die erste Regenwoche war hier und die Möwen an der Landungsbrücke sehen noch ein bisschen missmutiger aus als sonst. Schietwetter, da trägt kein Zweibeiner arglos sein Fischbrötchen spazieren.

Aber was soll’s, es ist September auf Helgoland, zwischen den Regenschauern schaut immer mal wieder kurz die Sonne hervor und fein, fein, fein, ein Regenbogen!

Am Himmel entstehen und vergehen immer neue Wolkentürme. Abends knipst Gott nochmal kurz die Taschenlampe an und spielt vor dem Schlafengehen ein wenig damit herum.

Als ich wieder in die Nähe der ersten Freifunk-Router komme, fängt mein schlaues Telefon an, zu tuten und zu blinken. Oh, drei Buchungsstornos für Gästeführungen. Ah, der deutsche Wetterdienst schickt auch Grüße. Hm, die Reedereien haben alle Passagen abgesagt. Na dann.

Der Wind hat aufgefrischt und die Mikroturbine auf der Taucherstation nimmt ordentlich Fahrt auf.

Heute morgen gegen vier werde ich von Geklapper der Dachschindeln wach. Die sind zum Glück – und aus gutem Grund – hier meistens am Dachstuhl festgenagelt, aber über meiner Zimmerdecke ist kein Dachboden.

Vernünftigerweise steht auch keinem Besucher der Sinn nach Inselrundgang bei horizontalem Regen und 100 km/h Windgeschwindigkeit. Das kann man nach einiger Zeit hier am Geräusch erkennen, das der Sendemast im Oberland macht. Ab 80 km/h ändert der die Tonlage.

Die Dünenfähre ist schon wieder in den Binnenhafen zurückgekehrt und das ist am Vormittag kein gutes Zeichen. Wer jetzt in den Ferienhäusern auf der Düne wohnt, muss in der Flughafencafeteria einkaufen.

Trotzdem muss ich kurz ins Oberland, weil dort bei ein paar Offshore-Leuten das Internet spinnt. Die haben heute natürlich Wettertag und wollen ganz dringend ganz viel nach Hause telefonieren. Oder skypen. Oder snapbook-facechatten oder was weiß ich ;-). Ein Bier kriege ich auch angeboten, aber es ist gerade halb zwölf und irgendwie muss ich auch noch wieder nach Hause kommen. Und das ist inzwischen ein wenig… problematisch.

An Tagen wie heute wird nämlich ganz von selbst klar, warum das Dorf auf dem Felsen so gebaut ist, wie es ist. Im Unterland ducken sich die Häuser in den Schutz der Steilklippe und im Oberland gibt es nur eine einzige durchgehende Straße in Ost-West-Richtung. Die anderen “Straßen” sind gerade mal zweieinhalb Meter breit und alle paar dutzend Meter kommt irgendein Knick, der den Sturmwind aus Westen bricht.

Ich wohne aber – wie die meisten Habenichtse – im Südhafen. Da sollten ursprünglich gar keine Wohnhäuser hin und 100 Meter von meiner Wohnung sieht es so aus.

Ich weiß, die Fotos sind miserabel. Das liegt daran, dass man bei Orkanböen nicht mehr stehen bleiben kann. Der Wind nimmt einen einfach mit und zum Glück ist das meistens landeinwärts. Wieder einmal frage ich mich, wie Franz Schensky das hingekriegt hat. Mit Plattenkameras.

Bizarrerweise sehe ich jemanden, der im Wassersturzbecken spazieren geht. Was die Leute so machen…

Irgendwie verstehe ich nicht, was daran Spaß macht, alle zehn Sekunden einen halben Zentner Nordseewasser, gemischt mit allerlei zerkleinerter Meeresfauna und -flora aufs Dach zu kriegen. Und ich steige ganz bestimmt nicht da runter, um ihn zu fragen.

Naja, vor vier Jahren bin ich auch beim ersten Orkan im Oberland herumgestiefelt. Hab ich danach nie wieder gemacht.

An der Südkaje liegen normalerweise die Crewschiffe der Windpark-Leute. Die sind aber vorsichtshalber in den inneren Südhafen umgezogen und schaukeln dort vor sich hin wie schlafwandelnde Elefanten.

Das sind Offshore-Tender mit einer Ruhemasse um die 70 Tonnen. Im Schutzhafen. Da schaukelt normalerweise nix.

Zuhause muss ich an die Menschen in der Karibik denken. Hier sind die Häuser aus Stahlbeton und die Stromleitungen liegen unter der Straße. Mannomann.

 

Summertime

…and the living is easy.

Jedenfalls hat es schon seit drei Wochen nicht mehr geregnet. Es wird kaum noch dunkel, um Mitternacht wandert das blaue Leuchten gemächlich von Westen nach Osten und vier Stunden später geht die Sonne wieder auf.

Natürlich gibt es immer noch einen Alltag mit Aufgaben und Verpfichtungen, aber selbst der Weg von einem Termin zum anderen fühlt sich wie Urlaub an.

Bei den Offshore-Leuten ist Crew-Wechsel. Sonst scheint die Zeit stillzustehen wie an einem Sonntagnachmittag. Es ist aber Mittwoch.

Am Wochenende ist dann Hafenfest am Binnenhafen.

Man lümmelt vor den Hummerbuden herum und schnackt mit den Passanten. Manchmal auch über sie ;-) .

Gestern war dann aber plötzlich Schluss mit lustig. Mein Schlautelefon begann rot zu blinken und das tut es normalerweise nur, wenn die Batterien fast alle sind.

Manchmal aber auch aus anderem Grund. Diesmal war es kein schlecht gelauntes Tier, sondern… tja, was? Das Alien-Mutterschiff aus “Independence Day”?

Irgendwie sollten Wolken nicht so aussehen. Ein uralter Primateninstinkt sagt “Zeit, Schutz zu suchen”.

Jedenfalls wurde es kurz danach sehr dunkel, die Windgeschwindigkeit stieg schlagartig auf 70 km/h und es fing an zu blitzen, donnern und zu regnen. Das habe ich dann aber nicht fotografiert, sondern lieber meinen Nachbarn im Erdgeschoss geholfen, ihre Ware in den Laden zu tragen.

Nach einer halben Stunde war der Spuk schon wieder vorbei. Das UFO flog weiter Richtung Festland, in Norddeutschland hörten die Züge auf, zu fahren und hier hat es anscheinend wieder ein Stück vom Internet gebraten. 

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Örks.

Singt mir die Namen skandinavischer Seeleute

Heute morgen fahre ich vom Arzttermin zurück zum Felsen. Der Wind hat ein wenig aufgefrischt und im Hotel hab ich noch schnell auf der Webseite des BSH zum Seegang nachgesschaut. Oh-oh, zweieinhalb bis drei Meter Wellenhöhe und das auf der guten alten Funny Girl.

An Bord ist gute Stimmung, die ersten Piccolos werden geköpft, bevor wir überhaupt den Hafen verlassen haben. Als wir Neuwerk passieren, beginnt das alte Mädchen deutlich zu stampfen und die ersten Berg- und Talfahrten werden noch mit Juhu und Jaha bejubelt.

Gelegentlich muss der Käptn aber auch beidrehen, weil wir sonst in Schottland ankommen würden anstatt auf Helgoland. Dann beginnt das Schiff zusätzlich zu rollen, es wird nach und nach immer stiller an Bord und bald singt der eine oder andere Passagier die Namen skandinavischer Seeleute (Sööören! ;-).

Aber die Crew kennt das natürlich schon, scheucht alle Amateur-Seebären auf ihre Sitzplätze zurück und jeder, der nicht ein Bier in der Hand oder wenigstens ein albernes Grinsen im Gesicht hat, wird großzügig mit Küchenrollen und Spucktüten beschenkt.

Ist angeboren, sagt einer der Stewards, der früher mal mit Frachtschiffen in Atlantik und Pazifik unterwegs war. Der eine kriegts, der andere nicht. Muss man sich nix drauf einbilden.

Osterspaziergang

Ostern fällt dieses Jahr mit dem Saisonbeginn zusammen, viele Journalisten sind hier und Alle sind ganz aufgeregt. Nur die Nordsee schmollt und macht pubertäre Pfrrrt-Geräusche.

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Dann reisen die Medienleute wieder ab und die Sonne kommt heraus. Ha!

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Ich laufe in den Südhafen, um Fotos zu machen. Das ist etwa 300 Meter von meiner Wohnung entfernt, aber trotzdem wird es unterwegs dunkel und Hagel prasselt auf mich nieder, sodaß ich mich in einem Strandkorb vor dem leerstehenden Haus Marinas verkrieche.

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Ist das dann eigentlich ein Regen- oder ein Hagelbogen?

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Nach zwei Minuten schlägt etwas mit einem deutlichen Klonk an die Rückseite des Korbes. Oh, ein anderer Strandkorb. Da sitzt aber niemand drin und dann wehen die natürlich auch schneller weg. Ich suche trotzdem lieber Schutz hinter dem Haus.

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Bevor ich meine durchgeweichte Zigarette fertig geraucht habe, ist schon Alles vorbei.

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Den Möwen ist das natürlich mal wieder piepegal.

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Achso, ja, Ostern:

Vor 1983 Jahren hat sich angeblich mal ein Mensch lieber ermorden lassen, als seine pazifistische Überzeugung zu verleugnen. Praktischerweise war er aber Gottes Sohn und weil er dachte, daß dieser Märtyrersch*** die falsche Botschaft sendet, beschloß er, lieber wieder von den Toten aufzuerstehen. Und weil dann alle gerade so gut drauf waren, meinte er:

Das kann jetzt jeder haben, es gibt aber einen Haken. Zuerst müßt ihr lernen, meine Mörder zu lieben.

Diese Idee hat sich noch nicht so recht durchgesetzt.

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Als Spezies vertrauen wir bis auf Weiteres lieber auf das Herstellen und Abfeuern von Waffen. Kurzfristig bringt das oft einen taktischen Vorteil.

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Langfristig nicht.

[Die letzten beiden Bilder stammen von Franz Schensky, der der Inselfotograf auf Helgoland im 19. und 20. Jahrhundert war.]