Mittsommer

Fast zwei Monate lang war der Himmel postkartenblau und es fiel kein Tropfen Regen. Die Grünflächen auf der Insel sehen inzwischen einigermaßen versteppt aus, denn künstliche Bewässerung ist nicht drin. Das Wasser auf der Insel besteht zur einen Hälfte aus Regenwasser und zur anderen aus exorbitant teurem entsalzten Meerwasser.  20 Euro pro Kubikmeter; da könnte man den Rasen eigentlich auch mit Bier gießen.

Dann kam ein Sturm, zwei Tage fuhren keine Schiffe und am Flugplatz reihen sich die Sonderflüge für die Leute, die unbedingt wieder aufs Festland müssen.

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Direkt neben dem Flughafen der eventuell einsamste Briefkasten Deutschlands.

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Der Berliner Bär am Mittelland gibt sich unbeeindruckt und macht einen auf cool.

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Um sieben Minuten nach Mitternacht sehe ich aus dem Fenster und im Nordosten leuchtet es.

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Willkommen im Norden.

So sieht’s aus

Nachrichten vom Festland, die Guten zuerst:

Die Kiste mit den Büchern aus Österreich ist angekommen und ich bin jetzt stolzer Besitzer der fantastischen, komplett neu übersetzten und bearbeiteten Werkausgabe von James Tiptree, Jr. Sehr sehr gute Arbeit, liebe Leute vom Septime-Verlag!

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Dann ist da aber mein alter Freund aus der Achtziger-WG, wie ich von den Jahrzehnten geschüttelt und gerührt, er jedoch nahezu unzerstörbar. Seit Jahren mache ich mir weniger Gedanken um ihn, denn ich weiß, daß er nun endlich bei der Frau-für-immer angekommen ist.

Telefon: Seit vorgestern ist er Witwer. Und ich Esel renne immer noch hier herum und verschleiße Sauerstoff.

Was soll das?, schreie ich an der Westklippe in den Wind.

Dieses selbstzerstörerische Aufbegehren wie damals, als zum ersten Mal einer zu früh starb. Ich dachte, ich hätte dazugelernt.

Der Unbeugsame

In Hamburg verbringe ich meine Tage in einem Kellerraum voller Briefe, Zeitungen und Büchern, die meisten davon aus einer Zeit vor meiner Geburt. Abends fahre ich ins Hotel, sehe meine Notizen durch und schlafe früh ein.

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Nur einen Abend lang bin ich Tourist, tue, was Touristen in Hamburg so tun. Schaue in den Elbtunnel hinein und laufe die Reeperbahn entlang, die mit ihrer Trostlosigkeit die Nacht erhellt.

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Gegenüber, auf der anderen Straßenseite läßt sich jemand partout nicht von einem scheinbar aussichtslosen Vorhaben abbringen.

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Nachtbus

500 Meter hinter meinem Küchenfenster ist die Haltestelle für den Nachtbus.

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Es ist so groß wie ein Bus. Es ist nachts unterwegs, wenn alle anderen Feierabend haben.

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Gnädigerweise hat es keine Werbebanderolen.

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Leider hab ich kein gültiges Ticket.

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Es kann sogar schwimmen wie ein Schiff, wenn Alles schiefgeht. Und glaubt mir, es macht viel, viel mehr Krawall als euer Nachtbus ;-).

Sonntag nachts auf Helgoland

Duty-Free-Shopper gibt es keine mehr, denn das Fährschiff (Singular!) kommt nur noch alle zwei Tage. Die Kneipen schließen um elf und sogar die Inseldisko (Singular!) hat Ruhetag.

Im Frachthafen kommen ein paar Offshore-Schrauber von der Nachtschicht zurück.

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Der Leuchtturm ist die letzte Lightshow für Zen-Mönche oder Langzeit-Gedächtnis-Geschädigte:

Oh, ein Licht!

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(Eins, zwei, drei, vier, fünf…)

Oh, ein Licht!