Nach dem ersten Sturm….

Während die Welt am Rande eines Atomkrieges entlang taumelt, scheint auf dem Felsen alles wie immer zu sein.

Der erste Herbststurm zog über die Insel

und hinterließ neuen Strauchschmuck.

Er verjagte die letzten Reste des Sommers.

Über ein langes Wochenende hinweg waren wir mit ein paar unentwegten Gästen alleine.

Anders als auf dem Festland bringt ein Sturm nicht immer nur Dauerregen und Pustewind. Manchmal klart der Himmel auf ….

und während im Süden oder Westen die nächst Regenfront heranzieht,

scheint auf der Ostseite kurz die Sonne.

Danach erscheint der Himmel frisch gewaschen.

Doch die sockenfreie Zeit ist vorbei. Die Schatten sind länger geworden.

Morgens malt die aufgehende Sonne wieder ihre Schattenbilder an die Wand.

Manchmal kommt mir der Friede hier unwirklich vor. Manchmal verzweifle ich an dem Maulheldentum mancher medialer Vertreter. Immer bewundere ich den Mut russischer Demonstranten. Es gibt immer ein Dennoch: “Sagt nein, wenn sie euch ziehen.”

Neulich las ich ein Zitat aus einem Roman von Serhij Zhadan:

Schura: “Ich denke, es wird nichts.” Harry: “Na, dann wird es halt nichts. Man muss es aber trotzdem versuchen, richtig?”

Herbst

Hier auf dem Felsen scheint das Jahr weiter fortgeschritten.

Es dunkelt merklich früher.

Die Bäume haben ihre Hüllen fallen lassen – nackter Baumkern garniert mit ein paar letzten Früchten.

Tropfen perlen sich auf den Halmen.

Es ist nicht kalt. Deswegen fallen die Blätter vertrocknet von den Ästen.

Die Vogelfelsen sind leer –

Wie die großen Zweibeiner hinterlassen sie den Müll, den sie zum Nestbau aus dem Wasser gefischt hatten.

Der Felsen gleicht einem Set aus einem Murakami-Roman.

Von Westen treibt der Wind die Wellen gegen den Felsen – und manchmal mischt sich in das gleichmäßige Schlagen ein Twitwitwi.

Auf dem Festland gab es noch freundliche, fast warme Tage.

Ich spazierte – alleine – mit dem einen, mit dem anderen Bruder.

Die Stadt ist in freundlich goldenes Licht getaucht. Die Schatten lang – auch schon am Vormittag.

Die kalten Nächte treiben die Farben ins Blattwerk und

alles flammt ein letztes Mal auf.

Wolken verteilen das Licht

und plötzlich verändert sich ein gleichmäßiges Feld in eine bewegte Landschaft.

Der Parkwald am benachbarten Jagdschloss wirkt noch sommerlich.

Um in den Wald zugelangen, steigen wir über einen Zaun und folgen der alten Jagdschneise.

Mein Bruder erzählt, wie sich der Adel vor 200 bis 300 Jahren das Wild auf eine Lichtung treiben ließ, um dort zu ballern, was das Zeug hielt.

Im inneren Ohr höre ich Hörner, die Geräusche brechendes Holzes und hetzender Hunde, aber die Wiesen liegen still.

Die Sonne allein richtet ihren Spot auf Einzelnes,

das plötzlich aus Grau, Grün hervortretend

auf einer Bühne steht.

Dieses Jahr geht mit ‘schwerer Fracht’ – oh ja……..