Verweht

Seit Wochen waren wir nicht mehr auf der Düne zu Besuch. Das liegt zum Teil an den Gründen. An den Wochentagen beginnt der Schulunterricht um 7:30 Uhr und dementsprechend früh muss der Wecker klingeln. Uähhh.

An den Wochenenden lümmeln wir dann oft bis in den frühen Nachmittag im Bett herum, nur unterbrochen von kurzen Ausflügen zur Kaffeemaschine. Ahhh.

Um 16:00 Uhr fährt aber schon die letzte Dünenfähre. Ist ja Winter. Hmmm.

Neulich haben wir es aber doch geschafft, auch wenn Helgoland angeblich der Ort ist, an dem die Zeit stehengeblieben ist. Manchmal ganz wörtlich.

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Am schwarzen Brett herrscht auch eher Winterruhe.

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Und das ist auch ganz gut so. Die HerrscherInnen der Düne reagieren entsprechend indigniert.

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Das Dünenrestaurant hat natürlich geschlossen. Und was meinen sie bloß mit diesem Schild?

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Ach so.

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Das.

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Diese Holzleiste, die man da sieht, ist der obere Rand des Terrassengeländers.

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Oje, da kommt man mit einem Bagger nicht hin. Schipp-schipp, hurra.

Butterfahrer und andere

Was bisher geschah: Es war Winter (ach?). Keine Gäste, die Straßen leergefegt. Im Oberland nur Lebewesen, die Stoizismus und dicke Pullis zur Schau stellen.

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Die Strände wüst und leer. Keine Fußspuren. Die entsorgen Wind und Gezeiten täglich.

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Am Nordoststrand steht ein kleiner Mensch und starrt die Nordsee an. Drei Tage lang frage ich mich immer wieder, was er wohl dabei gedacht hat. Wintersensationen eben.

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Auch auf der Düne nur das Heulen des Windes und das Zischen des Sandes, der deine Windjacke abschmirgelt.

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Und seine eigenen Sandburgen baut.

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Die Robben haben sich anscheinend mit der Familiengründung in den letzten Wochen ziemlich verausgabt und frönen ihrem Lieblingshobby: Herumliegen.

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Andere schauen scheinbar empört: Hey, du kannst mich doch garnicht sehen! Ich hab doch Tarnfell!

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Und dann plötzlich ein Vorbote des Frühjahrs.

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Oder zwei.

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Und noch ein dritter (der Zahnarztus Hamburgiensis ;-) .

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Und dann ist es wieder soweit. Wie jedes Frühjahr Ende April Flaggen- und Dresscodewechsel auf Helgoland: Die RocknRoll-Butterfahrt ist im Anmarsch.

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Mehr Schwarz an der Dünenfähre. Und überhaupt mehr mehr ;-) .

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Eigentlich konnte ich schon als kleines Mädchen nix mit Ska und Rammelpank anfangen, aber so als kulturelles Phänomen ist doch immer wieder faszinierend.

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Natürlich regnet es und ist a****kalt. Das ist Vorschrift.

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Am dritten Tag sehen einige Butterfahrer etwas… mitgenommen aus. Punk’s not dead, it just smells funny.

Aber ansonsten ist auch unübersehbar, dass ein beträchtlicher Anteil der Rocknroller inzwischen so etwa in meinem Alter ist und statt flattrigem Zelt auf der Düne lieber eine kuschelige Ferienwohnung auf der Hauptinsel anmietet.

Eigentlich bin ich ja hauptsächlich rübergefahren, um die neuen Ferienhäuser auszumessen und die OpenStreetmap-Karte zu aktualisieren. Aber mal kurz über den standesgemäß löcherigen Zaun gucken ist ja auch ok.

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Ratter ratter bumm bumm!!!

Danke, ihr schwarzbunten Knalltüten und bis nächstes Jahr!

Mittsommer

Fast zwei Monate lang war der Himmel postkartenblau und es fiel kein Tropfen Regen. Die Grünflächen auf der Insel sehen inzwischen einigermaßen versteppt aus, denn künstliche Bewässerung ist nicht drin. Das Wasser auf der Insel besteht zur einen Hälfte aus Regenwasser und zur anderen aus exorbitant teurem entsalzten Meerwasser.  20 Euro pro Kubikmeter; da könnte man den Rasen eigentlich auch mit Bier gießen.

Dann kam ein Sturm, zwei Tage fuhren keine Schiffe und am Flugplatz reihen sich die Sonderflüge für die Leute, die unbedingt wieder aufs Festland müssen.

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Direkt neben dem Flughafen der eventuell einsamste Briefkasten Deutschlands.

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Der Berliner Bär am Mittelland gibt sich unbeeindruckt und macht einen auf cool.

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Um sieben Minuten nach Mitternacht sehe ich aus dem Fenster und im Nordosten leuchtet es.

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Willkommen im Norden.

An der Aade

Gestern hat die Sommersaison offiziell wieder begonnen und in den vergangenen Tagen galt es noch eine ganze Menge Vorbereitungen in letzter Minute zu treffen. Ich merke, dass ich entweder ganz schön verwöhnt bin von der Helgoländer Gangart – oder einfach zwanzig Jahre älter als damals, als gelegentliche Schübe von Holterdipolter im Berufsleben viel normaler erschienen und manchmal sogar richtig toll.

Irgendwie ist dann doch noch alles rechtzeitig fertig geworden und gut über die Bühne gegangen. Und heute fahre ich mit Fe, die zu Besuch hier ist, zur Düne hinüber. 

Morgens schien noch die Sonne und meine Glatze strahlt in lustigem Rot. Ich muss nämlich allmählich aufhören, die sonst allgegenwärtige Mütze zu tragen. Sonst kann ich die den ganzen Sommer nicht mehr abnehmen wegen des Helgoländer Bikinistreifens. Der verläuft allerdings so eher in Höhe der Augenbrauen und aufwärts ;-) .

Inzwischen hat sich der Himmel wieder zugezogen und alles erstrahlt Grau in Grau. Im Ernst. Wahrscheinlich kann man das garnicht fotografieren. Auf den ersten Blick sieht alles grau aus. Aber anders, von innen heraus leuchtend. Ist wie HDR hier , nur ohne HDR, hat mir mal ein Fotograf gesagt. Was immer das bedeuten mag.

Ansonsten passiert erstmal nicht soviel. 

An der Aade setzen wir uns an den groben Kiesstrand, dort, wo die Stürme der vergangenen zehn, zwanzig Jahre auf der Ostseite den Sandstrand fortgerissen haben. 

Die Wellen klingen hier ganz anders, mehr so Ssss-ploff als Rausch-rausch.

Wir gucken und reden und reden und gucken und eine Weile lang passiert wieder nicht viel. 

Dann kriegen wir Besuch.

Normalerweise kommen die Robben nicht an die Aade. Würde ich auch nicht, wenn ich mit dem Bauch über den Strandkies hoppeln müsste.

Aber das hier ist wohl eine Robben-Teeniebratze und Mama hat das schon tau-send-mal erklärt, dass man nicht an die Aade gehen soll. Pah!

Eigentlich gilt die Regel, dass man weggehen soll, wenn die Robben aus Neugier näher kommen. Aber bevor wir unseren Krempel einsammeln können, ist die Bratze schon wieder abgebogen und in den Dünen verschwunden. 

Dann sind wir wohl kurz eingenickt am Strand. Als wir aufwachen, ist es ganz schön frisch geworden und fröstelnd gehen wir am Südstrand zurück zur Fähre.

Was wir geredet haben? Ach je, das Licht, das Wetter, das Kommen und Gehen des Lebens und der Liebe, ob es grausam ist, einem Atheisten zu sagen, dass man den Tod nicht fürchtet. Strandzeugs halt.

Gute Vorsätze

Ok, ich werde bis auf Weiteres keine Loblieder mehr auf die baldige Ankunft des Frühlings singen. Aberglaube bringt bekanntlich Unglück und immer, wenn ich das tue, sieht es am nächsten Tag so aus:

Oder so:

Selbst die sonst so Helgoland-festen Möwen sehen ganz schön angep***t aus.
Trotzdem will ich zur Düne hinüber, einfach weil heute mein freier Tag ist.

Och nee, sagen die Jungs von der Dünenfähre, kannste nicht in einer halben Stunde wiederkommen? Der Nebel hat auch den Verkehr auf dem Dünenflughafen zum Erliegen gebracht und außer mir ist weit und breit kein Verrückter zu sehen, der dort hin will.

Na gut. Eine halbe Stunde später ist immer noch keiner da, aber dann fahren sie doch. Nur für mich.

Auf der Düne ist gerade die wilde Strandparty am toben.

Irgendwo, irgendwo dahinten bestimmt. Eventuell aber auch schon in Dänemark.

Dann laufe ich hinüber zum Nord-Ost-Strand, aber weit komme ich nicht.

Überall sind große Schilder, die die Seehunde darauf hinweisen, mindestens 30 Meter Abstand von den Zweibeinern zu halten. Können die nicht lesen?

Nö.

Dann fahre ich mit der letzten Fähre wieder zurück.

Am nächsten Tag ist das Wetter soso, hmhm, lala, aber ich sage nichts. Ich möchte mit meinem Anwalt sprechen ;-) .