Du weisst nicht, was ich diesen Sommer getan habe (Für Frau T.)

Ein gutes halbes Jahr habe ich das Blog und alles, was damit zusammenhängt, nicht mit dem (ähhh) hinteren Stoßfänger angesehen.

(Führende AmateurpsychologInnen werden sicher zu dem Schluss kommen, dass es daran liegt, dass ich vieles, was ich früher dem Blog erzählt habe, jetzt Fe erzähle und gut ist. Herzlichen Glückwunsch, ihr dürft eure Analyse gerne in drei Ausfertigungen in den Sand des Südstrandes schreiben, dann auf die Flut warten und ein Eis essen gehen.)

1060618~2.jpg

Also hier ein kleiner Nachtrag:

Nach der RocknRoll-Butterfahrt brach erst mal der Sommer aus. Die Inselkatzen kommen aus ihren Verstecken und beziehen ihre Posten in der Sonne.

IMAG0376.jpg

Die Norder-Falm-Klippenmauer-Katze wird am Ende der Saison gefühlte 10.000 mal behätschelt und fotografiert worden sein. Eigentlich sollte die Kurverwaltung ihr dafür eine Leibrente bezahlen. Die Oberlandtreppenkatze ist da etwas zurückhaltender.

1060525.jpg

Am Lummenfelsen kehren die ersten Seevögel zum Brüten zurück. Den Trottellummen kann man da nur mit einem Fernglas zusehen, weil sie in den Vorsprüngen der Steilklippe nisten; den Basstölpeln ist das aber egal. Die bauen ihre Nester so nahe am Klippenzaun, dass man sie streicheln könnte, was man aber aus einer Reihe von Gründen besser nicht tut. So ein erwachsener Tölpel hat im Flug eine Spannweite von etwa 120 Zentimetern und an der Innenseite des schönen Schnabels so eine Art Sägeblatt.

1060535.jpg

Seine Eier sind aber etwas kleiner als ein Hühnerei. Da muss man schon einigermaßen Glück haben, um etwas zu erkennen, wenn Mama Tölpel drauf sitzt. Auch die Küken haben zuerst einmal so gar keine Ähnlichkeit mit ihren Eltern und sehen aus, wie Vogelküken meistens aussehen: Nackt, komisch und irgendwie wie winzige Dinosaurier.

1060519.jpg

Nach zwei Wochen sehen sie dann aber schon aus wie kleine Wollknäuel. Hochgewürgtes ist gesund, egal was wir unter ästhetischen Maßstäben davon halten mögen.

1060539.jpg

In der Bäckerei arbeitet ein neuer Verkäufer, der in seiner Freizeit an der Landungsbrücke Capoeira tanzt. Das sieht ziemlich gut aus und bringt südamerikanischen Schwung auf unser friesisches Inselchen.

1060511.jpg

1060510.jpg

Fe macht mit ihrer Schulklasse eine Exkursion nach Cuxhaven. Das ist Teil der Vorbereitungen für den World Ocean Day und gleichzeitig so etwas wie Schüleraustausch in Miniatur. Da aber eine Begleitperson fehlt, werde ich mit “verpflichtet” und lerne in sehr kurzer Zeit sehr viel über die schwierige Aufgabe, Kinder und Jugendliche zu erziehen. Kein Wunder, denn unter anderem verstehe ich zu diesem Zeitpunkt nichts davon. Null. Nada.

Aus offensichtlichen Gründen gibt es von der Exkursion keine detaillierten Berichte oder Fotos. Auch Teeniebratzen haben ein Recht auf Privatsphäre.

Oder halt, ein Foto hab ich doch. Da sind wir gemeinsam in der Bowlinghalle in Cuxhaven. Bowlen kann ich gerade gut genug, um die Bahn nicht zu beschädigen, aber lecker Knabbernüsse gibt es da. Und einen Automaten, aus dem man Flummibälle ziehen kann.

IMAG0382.jpg

Wenn ihr also mal nach Cuxhaven kommt, schaut mal rein, zieht einen Flummi und sagt schöne Grüße von dem Kerl, der am nächsten Abend wieder mit den Kids vorbeikam, um noch mehr Flummibälle zu ziehen. Die freuen sich bestimmt ;-) .

Allerdings schaffe ich es auch, mir bei dieser Reise die Blase zu verkühlen und der Inseldoc meint nach dem Ultraschallieren der entsprechenden Regionen so was wie, hmmm, da sollte mal ein Experte für Alte-Männer-Leiden genauer hinkucken. Natürlich ist der auf dem Festland und es dauert auch einige Wochen, bis man da einen Termin bekommt. Ich betrachte das erstmal als Hinweis, dass es wohl nicht so schlimm sein kann.

Inzwischen sind den Wollknäueln Füße und sowas wie Flügel gewachsen.

1060595.jpg

Und Elisa hat Geburtstag. Zwar keine der drei Elisas, die ich kenne, aber egal: Alles Gute, Elisa, wo immer du jetzt sein magst.

1060543.jpg

Der Facharzttermin verläuft, wie Termine bei Urologen meistens verlaufen: Man pinkelt in einen Becher, lässt sich diverse Gerätschaften in diverse Körperöffnungen stecken und lernt ein paar Urologenwitze. Das tut alles nicht wirklich sehr weh, aber im großen und ganzen wäre ich lieber noch ein paar Flummis ziehen gegangen.

Dazu war aber keine Zeit, denn die Leute in der Praxis machen einen riesigen Aufriss, damit ich am zweiten Tag gerade noch das Schiff nach Hause erreiche. Das rührt mich jedesmal wieder. Normalerweise braucht man aufgrund der Abfahrtszeiten des Schiffs für einen Arzttermin auf dem Festland jeweils drei Tage Zeit.

Nichtsdestotrotz habe ich jetzt einen Zettel in der Tasche, mit dem ich mich einigermaßen bald im Krankenhaus einfinden darf, um das Problem zurechtzuschnippeln zu lassen. Aber ich soll mir nicht so große Sorgen machen, denn über 60 Prozent aller Männer in meinem Alter haben sowas und nur ziemlich selten ist es Krebs.

Na dann.

Die Wollknäuel sind inzwischen etwa doppelt so groß und verlieren ihren Kükenflaum zugunsten des ersten Jugendgefieders. Das ist dunkelgrau, völlig anders als das Federkleid der erwachsenen Tiere und mit Flugversuchen ist auch noch nichts. Dafür aber mit Füttermich-Gezeter. Und da der Kükenflaum am Kopf am längsten bleibt, kriegen die Girls and Boys einen ziemlich punkigen Irokesenlook. Passt.

IMAG0428.jpg

Da es sowieso noch ein paar Wochen bis zum OP-Termin dauert (dann kann es wohl nicht so schlimm sein…), fahre ich noch schnell mal zu zwei Open-Air-Festivals auf dem Festland: Das Fusion Festival, bei dem ich 2016 glaubte, das sei jetzt Geschichte und das Herzberg-Festival, das inzwischen eher ein Hybrid aus Festival und extrem lotterlebigem Familientreffen geworden ist.

IMAG0402.jpg

threema-20190724-193431-67b9712c32d6f02f~2.jpg

Danach noch ein kurzer Tölpelcheck: Ja, die Punk-Knäuel sind noch größer geworden und beginnen, von der Farbe abgesehen, ihren Eltern zu ähneln. Und dann geht es ins Krankenhaus.

IMAG0450.jpg

Darüber gibt es nichts Sensationelles zu berichten: Allerlei Formulare, noch mehr Urologenwitze, Licht aus, Licht an und drei Tage, bis dann nach und nach die ersten Schläuche wieder aus mir rausgezogen werden. Der letzte dann nach sechs Wochen, aber das macht schon der Doc auf der Insel. Perfekte Routine.

Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus drückt mir der Doc die Unterlagen für den Hausarzt in die Hand, dreht sich in der Tür noch einmal um und sagt:

“Ach ja, bevor ich es vergesse: War kein Krebs.”

Stille.

“Weiss man erst nachher genau, durch die Gewebeproben.”

Na dann.

Bei den Basstölpeln ist inzwischen Abreisestimmung. Die ersten Jungvögel sind schon mit ihren Eltern verschwunden, aufs Meer hinaus, bis nächstes Jahr. Ein paar Nachzügler lassen sich immer noch füttern. Das sieht aber inzwischen fast schon bedrohlich aus (für die Eltern, nicht die Jungen).

IMAG0535.jpg

IMAG0534.jpg

Tja, soweit der Nachtrag. Ein bisschen zu wenig Basstölpel und ein bisschen zuviel Krankengeschichten. Aber das wird wieder.

IMAG0511.jpg

Nicht wahr?

Ein Monat

Tja, da war Fe noch hier.

image

Weil die Helgoländer Wohnungen so pupsklein sind, haben wir eine Hütte drüben auf der Düne gemietet.

image

Wie meine fantastische ehemalige Steuerberaterin mal schrieb: Was macht man denn auf Helgoland, wenn man reif für die Insel ist?

image

Man läuft am Strand entlang.

image

Dann ist da noch die Sonne. Die geht auf und unter.

image

Manchmal wird man beobachtet, aber es macht nichts.

image

Die Jugend ist wie üblich neugieriger als die Erwachsenen.

image

Der einzige Haken ist, dass ich morgens mit dem Bus zur Arbeit fahren muss. Und das ist die Bushaltestelle.

image

Vor einem Monat war manchmal auch noch das Dünenrestaurant geöffnet.

image

Manchmal auch nicht. Nicht so schlimm, denn als Fe noch hier war, füllte sich der Kühlschrank auf automagische Weise stets von selbst.

image

Dann kam der Rest des Monats. Und was das für einer war!

Normalerweise hat das Leben hier eine niedrigere Taktfrequenz, aber manchmal schwappen hektisch gemachte Pläne vom Festland herüber. Das Blöde ist: Wenn du hier am Südstrand im Laufschritt gesehen wirst, fragen dich die Insulaner drei Tage lang, was passiert ist ;-) .

image

Ein Monat. Dann ist Fe wieder hier.

 

Schweres Erbe

Der 18.4.1945 war der Tag, an dem das alte Helgoland in einem Bombenhagel unterging. Nach dem Krieg wurde die Insel zwar vor dem Neuaufbau gründlich nach Sprengstoffresten abgesucht, aber trotzdem werden immer noch alte Bomben und Sprengsätze gefunden, die mühelos ein Haus pulverisieren könnten.

2014 war das vor allem im Südhafen der Fall, wo ich wohne. Da hat mich die Feuerwehr im Laufe des Sommers drei mal aus der Wohnung rausgeklingelt. 2015 dann an der Bücherei, als die Leseterrassen neu gebaut wurden. Im Sommer zuvor habe beim Lesen buchstäblich da draufgesessen. 2016 war aus dem gleichen Grund ein großer Teil des Nordost-Strandes gesperrt.

Heute ist es wieder soweit, diesmal im Oberland. Zwei Meter unter dem Kinderspielplatz, keine hundert Meter von der Schule entfernt.

Schnell drehe ich noch die Runde mit meinen Gästen, während hinter uns der Lautsprecherwagen der Feuerwehr durch die Straßen fährt. Die Treppen sind im Unterland schon gesperrt.

image

Die Insulaner haben darin schon eine gewisse Routine. In der Nordseehalle wird eine Notunterkunft mit Heißgetränken und belegten Broten organisiert. Als Alternative haben auch die Kneipen im Unterland früher geöffnet.

image

Selbst der Teeladen reagiert mit einem besonderen Angebot.

image

Galgenhumor à la Helgoland.

Wie sich später herausstellt, war es eine britische 500-Pfund-Fliegerbombe. Bei den Bombenentschärfern sind die relativ “beliebt”, denn deren Zünder sind aus Messing gefertigt, das kaum korrodiert. In diesem Fall war aber der Zünder durch den Aufschlag beschädigt worden.

So mancher Insulaner hat noch so ein Teufelsding im Regal stehen. Wer vor sechzig Jahren bei Entschärfungen half, konnte den Zündmechanismus häufig als Souvenir behalten.

Die amerikanischen Bomben hatten Zünder aus einer (billigeren) Eisenlegierung. Die sind inzwischen nur noch Rostklumpen. Und noch schlimmer sind die Säurezünder, erzählt mir der pensionierte Inselpolizist. Die können schon losgehen, wenn nach Jahrzehnten wieder Sonnenlicht darauf fällt.

“Ganz schön einfallsreich, diese Menschen”, rutscht es mir heraus. “Beim Morden und Zerstören immer”, murmelt er und zieht dann weiter.

Licht an

Der Winter war lang. Laaang. Und trübe. Trüüübe. Auf dem Weg zur Bücherei mache ich ein Foto von meinem Schatten, einfach, weil ich mich nicht erinnern kann, wann ich zum letzten Mal einen Schatten geworfen habe. Muss irgendwann im November gewesen sein.

Aber seit zwei Tagen gibt es wieder dieses komische helle Ding am Himmel und zum Glück gehts dem Sommer entgegen ;-) .

Gerade rechtzeitig wohl auch für das Filmteam, das vor ein paar Tagen hier aufschlug, um einen Helgoland-Krimi zu drehen. Die haben allerdings vorsichtshalber ihr eigenes Licht mitgebracht. Sogar so viel, dass man es von meinem Fenster aus sehen kann.

Auf meinem Abendspaziergang bin ich dann doch neugierig, aber aus der Nähe sieht es natürlich so prosaisch aus wie alle anderen location shoots sonst auch.

Eine Menge Kabel, Scheinwerfer und Klimbim, Roadies und AssistentInnen, die gerade auf die harte Tour herausfinden, dass W*ll*nst**n-Jacken auf Helgoland nicht warmhalten.

Ich hab mal den Roman gelesen, der dem Drehbuch zugrunde liegt. Mit dem realen Helgoland hat er nicht wirklich was zu tun. Aber ich habe mir von gut informierten Fachfrauen sagen lassen, dass das beim Münster-Tatort auch nicht anders ist. So what.

September. Noch.

Was inzwischen geschah: Es war August. Es wurde September.

Der Herbst feuerte dem Sommer ein, zwei Warnschüsse vor den Bug.

Dann kam die Sonne wieder zurück, der Himmel ist wieder postkartenblau, die weissen Schiffe liegen auf der Reede und der Felsen blüht und grünt aus allen Knopflöchern.

Gut gelaunte Gäste, dem Treiben auf dem Festland entronnen. Manche sagen, dass sie mich ein wenig beneiden (aber doch den Sprung an so einen seltsamen Wohnort scheuen).

Aber da ist auch eine leise Stimme, die immer wieder flüstert: Noch.

Noch scheint die Sonne, noch kämpft sich die tapfere Dünenfähre alle 30 Minuten durch die Passage zur Landungsbrücke.

Aber die ersten KollegInnen in den Hotels und Restaurants zählen mir schon die Tage ab, bis sie für die Wintersaison in die Urlaubsorte in den Skigebieten umziehen.

Ich bleibe hier und zähle auch die Tage, sage ebenfalls: Noch.

Noch vier Wochen, bis Fe wieder hierher kommt. Eigentlich hatte ich ja den Plan, allein zu bleiben, auf diesem Felsen, wo das Risiko ungeplanter emotionaler Verwicklungen so gering ist wie nur möglich.

Ich glaube, ich brauche einen neuen Plan.

Anreisen, Abreisen (2)

Die Insulaner sind an An- und Abreisen gewohnt, ganz besonders im Sommer. 

Manche Menschen kommen mittags hier an, laufen einmal um die Insel herum zur Langen Anna, dann auf dem Rückweg durch die Duty-Free-Shops zurück zum Hafen. Und um 16 Uhr sind sie dann alle wieder weg.

Andere bleiben drei, vier Tage, fahren auch mal zur Düne rüber, die Robben und Seehunde besuchen. 

Dann glauben sie, alles Wichtige gesehen und erlebt zu haben. 1.800 mal 600 Meter Felsen, einmal auf dem längsten Weg außen herum laufen bedeutet fünf Kilometer, was soll da übrig sein? Hmmm…

Manche Gäste bleiben noch etwas länger. 

Und dann geht es doch wieder zurück, zum letzten Boot, das die Passagiere zu den Fährschiffen über setzt.”Macht mal hinne”, grummelt einer der Börteschiffer, “knutschen könnt ihr gleich immer noch.”

Nee, Kollege. Das ist ja das Problem. Ich bleibe hier. 

Dann hebt das letzte Schiff den Anker, eine halbe Stunde später ist die Reede wieder leer und es gibt einen Ort auf dem Felsen, an dem gestern noch jemand war. 

Und diesen Ort trage ich mit mir herum. Musik, bitte.

There and back again

Letzte Woche war ich mal wieder auf dem Festland, die alten Freunde aus der WG im Ruhrpott besuchen. Wenn Alles glatt läuft, dauert es zehn Stunden, dorthin zu kommen (und Guggumaps kann die Route nur für Fußgänger und Fahrradfahrer berechnen ;-) .

Heul doch, du Nachwuchsinsulaner.

image

image

Meine Leute auf dem Festland sind im Schnitt fünfzehn Jahre jünger als hier auf dem Felsen und haben seit dem letzten Besuch einige Kinder bekommen. Dadurch befaßt man sich auch mit ganz anderen Dingen, von diversen Bespaßungsfaxen bis zum Einkauf von Säuglingsbedarf.

1040795.jpg

Ein heißer Tip: Wer von den Kassiererinnen im Drogeriemarkt mal ein sehr wohlwollendes Lächeln geschenkt bekommen möchte, sollte den Einkaufswagen mit Schnullern, Stilleinlagen und Windeln vollstapeln (Kuck, mal, der nette Opa).

244114603767301362-jpg

Es gibt – im Vergleich zum Felsen – riesengroße Wohnungen, Küchen mit Backofen und ich kann seit langer Zeit mal wieder ein paar Brote und Kuchen backen. Tadaaa, Süßkartoffelkuchen für Alle! Yippie!

image

Dann war die Woche aber schon wieder vorbei und es wurde Zeit für die Rückreise. Dazu muß ich entweder einen Tag früher losfahren und in Cuxhaven übernachten oder – wie dieses Mal – um drei Uhr morgens den Zombie-Zug erreichen.

image

Kurz gesagt: Zugverspätung, Anschluß verpaßt, Fähre weg. Die einzige Hoffnung, am Montag pünktlich zur Arbeit zu erscheinen, war der letzte Inselflieger am Sonntagnachmittag.

Ein Hinweis für Alle, die in diese Situation geraten: Sucht gar nicht erst nach einer Verkehrsverbindung zum Flughafen Cuxhaven-Nordholz, habt lieber genug Geld für ca. 30 Minuten Taxifahrt dabei.

image

1040814.jpg

image

image

image

Als ich dann vom Flughafen Helgoland zur Dünenfähre stolperte, die die letzten 800 Meter zum Felsen überbrückt, war ich seit fünfzehn Stunden unterwegs. Ich regte mich nicht mal mehr auf, als ich beim Einsteigen in die Fähre mein Telefon in der Nordsee versenkte. Dachte ich.

Nun also Helgoland im Frühling. Die Welt ist gerade ein wenig weichgezeichnet.

image

image

image

Außerdem sind in der vergangenen Woche noch diverse Drucker, Router und sonstiger elektronischer Klimbim im Hotel aus dem Takt geraten. Ließ sich aber Alles mit Hausmittelchen beheben.

Bei der letzten Gästeführung kommt plötzlich ein Insulaner zu mir herüber, sagt:

“Willst du nicht mal dein Handy wiederhaben?”

“Aber – aber – aber das ist mir doch ins Meer gefallen?”

“Jo. Und ich bin Angler.”

Dann drückt er mir das Telefon in die Hand und geht weiter, bevor ich mich noch richtig bedanken kann. Das angeblich wasserdichte Handy ist auch wirklich heil geblieben.

Da weiß ich wieder, warum ich immer noch hier bleiben möchte.

image

(Aus: Der Helgoländer, 1/2011)

Theater

image

Das Wetter torkelt seit drei Tagen ziemlich haltlos zwischen Hagelsturm und man-könnte-fast-die-Jacke-ausziehen-Sonne hin und her. Großes Theater am Horizont.

Außerdem ist noch auf dem Festland ein kleines Mädchen geboren worden. Das ist doch mal was Anderes als dieses Rumgesterbe in letzter Zeit! Yippie!