Alltag

Es ist kalt.

Mal regnet es, mal scheint die Sonne.

Der letzte Weihnachtsbaum hat einen neuen Platz gefunden.

Die Haifischzähne am Südstrand entpuppen sich als Lichtspalier.

Es ist wieder Schule.

An einem dämmrigen Morgen begleite ich meine Klasse bei ihrem Dünentag.

Wir fahren in unseren ‘Stadtpark’ und wollen die Düne als Lebensraum erkunden.

Vier Stationen laufen wir ab und erfahren etwas über Robben und Vögel, den Lebensraum Wasserspülkante und die Geologie der Insel.

Mich faszinieren immer die unterschiedlichen Strukturen, die sich Lebewesen schaffen, hier die Tunnelanlage von Dreikantwürmern –

da ein Habitat von so winzigen Tieren, dass wir sie mit bloßem Auge nicht erkennen können.

Noch sind die Basstölpel nicht eingetroffen.

Mein Platz liegt am Sonntag in der Sonne.

Hier lagen wir oft im Gras.

Sentimental journey – Der Garten der Dinge

Der Garten der Dinge befindet sich am Rande einer größeren Stadt in Mittelhessen.

Er wird von Zwei-

und Vierbeinern bevölkert.

Und dort leben zwei Menschen, die T. und mir sehr ans Herz gewachsen sind.

Es ist ein Ort, an den man in jeder Größe zurückkehren kann.

Man wird dort immer empfangen.

In den letzten Tagen des Jahres 21 liegt auch dieser Garten in Winterruhe.

Im Licht der kurzen Tage gehen wir in der Nachbarschaft spazieren.

Ganesha hält seine Hand über Garten und Haus.

Silvesterlied ….

Sentimental journey – Odenwald

Zwischenstopp in D. –

umständehalber fällt der Besuch nur kurz aus.

Dann geht es weiter in den Odenwald – Übernachtung bei Sohn und Tochter…….

Auf dem Rückweg halten wir in L, einem kleinen verschlafenen Ort im Odenwald, an.

Hier lebte ich einmal in den 60ern für ein paar glückliche Monate.

Wir laufen durch das Städtchen zur Burg.

Auf dem Weg dahin auffällig viele Drachenskulpturen.

Kurz unter der Burg wird das Rätsel gelöst:

Es hat hier ein Drachenmuseum –

mit Garten:

Die Burg an dem Tag in Wolken gehüllt.

Als ich zum Turm der Vorburg hinauflaufe, erinnere ich, wie mein Bruder und ich hier hochstürmten, während meine Mutter den Kinderwagen mit meiner Schwester hinterschob. Jedes Mal ‘eroberten’ wir auf diese Weise die Burg, blickten auf das Tal Richtung F. wie auf ‘unser’ Land. Es war ‘unser’ Land und unsere Zeit in einem anderen Sinne …. eine mystische Zeit…

Aber vielleicht erscheint jedem Menschen die Kindheit mythisch, in Zeitdimensionen entrückt, die wir nicht fassen können…

Oben –

fast als wäre die Zeit stehen geblieben –

und als stehe sie gerade wieder still.

Kalender sind nur ein menschliches Werkzeug, um uns im zeitlichen Raum zu orientieren, damit wir Ereignisse ordnen, Anfänge und Enden bestimmen können. Das entspricht unserem Wesen.

Es gibt Zeitzyklen – nur anders als wir uns das denken.

Ein letzter Blick zurück – ich hätte T. gerne den Ort gezeigt –

bevor wir in die Großstadt zurückkehren.

Es ist der 28.12., der Geburtstag von T.

Sentimental journey – Frankfurt

Ich bleibe ein paar Tage in Frankfurt – mit Zwischenausflug nach D. und in den Odenwald.

Ein Spaziergang durch die Niddaauen, die ich noch nicht kenne.

Damals in den 80ern lebte ich zunächst in einem der angesagten Stadtteile, später am anderen Ende der Stadt – dort, wo man fast nach Offenbach rüberspuckt ;-). Die Niddaauen waren so weit weg wie der Mond und wenn mich damals Sehnsucht nach Grün überkam, fuhren wir hinaus in den südlichen Vogelsberg.

Es ist nass, nicht kalt. Manchmal mischt sich Schnee in einen kaum wahrnehmbaren feinen Regen.

Die Stadt bleibt allgegenwärtig.

Wir wandern an ihrer Grenze entlang.

Manchmal kommen uns Menschen entgegen, manchmal eine ganze Familie von Weihnachtsmännern ….

nun ja, es ist der erste Weihnachtstag.

Am Ende unseres Weges ein Denkmal –

auch andere Menschen trauern.

Ein zweiter Spaziergang ein paar Tage später –

ich erkenne Orte wieder, an denen ich gearbeitet hatte.

Mainhattan – eigenartige Ästhetik – es geht mir wie immer. Ich fühle mich fast erschlagen –

An einer anderen Ecke die Zeichen unserer Zeit –

und wieder – wenige Minuten später ein liebenswert urbanes Eckchen.

Im Romantikmuseum die Himmelsleiter –

ich treffe alte Bekannte wieder – Caroline und ihre Gang, die ersten Hippies in Jena, die andere Karoline, Freund Hoffmann und die Brüder Grimm. (Germanisten behandeln manchmal ihre Lieblinge wie Geschwister im Geiste. Nehmt es nicht übel…. ihr liebenswerten Vorgänger*innen ;-))

Unser Rückweg führt vorbei an einem modernen Tempel –

der angebissene Apfel wie eine Metapher auf den Zustand unserer Welt –

der Blick auf Mainhattan wie eine Erinnerung an Metropolis, Fritz Langs Dystopie aus den 20ern.

Wird das unsere Zukunft sein, der Weg in die Arme eines starken Mannes? ……

Sentimental journey – Auftakt

Eigentlich ist der Winter eine besonders schöne Zeit auf dem Felsen

wenn sich aus Sankt Niklas der Weihnachtsmann löst

wenn die Düne in Winterkaribik erstrahlt.

Aber dieses Jahr zogen mich besondere Umstände aufs Festland.

Es war eine Reise über etliche Orte hinweg, die den Hintergrund meiner Lebensstationen bespielten. Es ergab sich, ohne dass ich es bewusst arrangiert hätte, eine sentimental journey.

Der Tag meiner Abreise – diesig verhangen.

Der Felsen verschwindet schnell. ‘Wie Avalon’, dachte ich bei meiner ersten Reise zum Felsen und zu einem Menschen, der mir Seelengefährte werden sollte.

In Hannover hängt neben dem Bahnhof ein Zeichen eines anachronistischen Symbols am Himmel. Es verweist nach hinten, ins 20. Jahrhundert, in seine Höhe. wie Tiefpunkte. Wie lange wird es noch am Himmel stehen?

Nachts komme ich in Frankfurt an, werde abgeholt. Nach etlichen Stunden hinter Maske im Zug ziehe ich begierig die ‘frische’ Luft ein. Ich rieche Autos, Heizungen, altes Fett und viele Menschen.

Dezember

Mal ist es so –

mal so –

im vierten Jahr auf dem Felsen kenne ich das bereits und dennoch: irgendwie beruhigend, diese Konstante.

Ich mag den Felsen in dieser Stimmung. Es ist keine Nebel wie auf dem Festland. Dazu sieht man zu weit. Es sind nur wassersatte Wolken, die ein bisschen ihrer Last ablassen, so dass das Pflaster feucht wird, ohne dass es geregnet hat.

Auf dem Festland herrscht jetzt Einkaufsrummmel – coronabedingt eingeschränkt.

Hier bleibt die Einkaufsmeile behäbig.

Einige Weihnachtsbäume warten noch auf ihre Stuben

Obwohl tatsächlich mehr Gäste als sonst um diese Jahreszeit hier sind, haben die meisten Duty-Free-Shops geschlossen. Die Hummerbuden sind bis auf zweie verrammelt.

Im Oberland –

Sonnenuntergang gegen halb vier –

Wolken ziehen über den Himmel.

Sie haben es heute eiliger als sonst –

Gäste, die sich vierbeinige Models gesucht haben –

und die Reste eines Spaziergangs bei Sturm.

Ich fand diesen Aushang beim Inselschamanen –

Danke.

(…)

Fundstück

Ich fand das poème im Blog von LEO, der offensichtlich schon ein paar Jahre alt ist.

Dennoch – wie schön, der deutsch-französische Austausch über Weihnachten:

When the last Kalender-sheets
flattern trough the winter-streets
and Dezemberwind is blowing,
then ist everybody knowing
that it is not allzuweit:
she does come – the Weihnachtszeit.

All the Menschen, Leute, people
flippen out of ihr warm Stüble,
run to Kaufhof, Aldi, Mess,
make Konsum and business.
Kaufen this und jene Dings
and the Churchturmglocke rings.

Manche holen sich a Tännchen,
when this brennt, they cry “Attention”.
Rufen for the Feuerwehr:
Please come quick to löschen her!”
Goes the Tännchen of in Rauch,
they are standing on the Schlauch.

In the kitchen of the house
mother makes the Christmasschmaus.
She is working, schufting, bakes
hit is now her Yoghurtkeks.
And the Opa says als Tester:
We are killed bis to Silvester!

Then he fills the last Glas wine –
yes, this is the christmastime!
Day by day does so vergang,
and the Holy night does come.
You can think, you can remember,
this is immer in Dezember.

Then the childrenlein are coming
candle-Wachs is abwärts running.
Bing of Crosby Christmas sings
while the Towerglocke rings
and the angels look so fine –
well this is the Weihnachtstime.

Baby-eyes are big and rund,
the family feels kerngesund
when unterm Weihnachtsbaum are hocking
then nothing can them ever shocking.
They are so happy, are so fine –
this happens in the Chistmastime!

The animals all in the house,
the Hund, the Katz, the bird, the mouse,
are turning round the Weihnachtsstreß,
enjoy this day as never nie,
well they find Kittekat and Chappi
in the geschenkkarton von Pappi.

The family begins to sing
and wieder does a Glöckchen ring.
Zum song vom grünen Tannenbaum
the Tränen rennen down and down.
Bis our mother plötzlich flennt:
The christmas-Gans im Ofen brennt!”

Her nose indeed is very fine
Ende of the Weihnachtstime.

Chère Fleur, merci à toi pour ce poème amusant.

Cordialement de la mer du Nord

Advent, l’avent …..

Kein Land ist wohl so versessen auf Advent und Weihnachten wie dieses …….

und dieses Jahr noch mehr als sonst, will mir scheinen….

“Wir brauchen in dieser Zeit ganz dringend etwas, das unsre Seelen und Herzen nährt”, sagte neulich eine meiner Freundinnen. Ja – sie hat recht. Sogar ich habe mir einen Baum geschmückt ….

auf friesische Art – abgewandelt ;-) – wie es dem Felsen, der kaum Bäume hat, gebührt.

So findet sich beim Gang durch die Stadt manches, das erstaunt:

LED-Rehe zieren Araukarien,

leise dudelt der Weihnachtsmarkt vor sich hin,

Restaurants pushen ihr maritimes Ambiente ….

die Einkaufs’meile’ …..

Zwischendrin zeigt die Wirklichkeit ihr hartes Gesicht

Draußen dagegen Weite ……

in der sich alles aufhebt,

toi et moi,

la joie et la douleur,

les frontières et les nations

– nous sommes ensemble les enfants de la terre.

Alle Jahre wieder ?

Tagelang hatten wir nur fahles Licht

und es begann schon gegen 15 Uhr zu dämmern – heute dagegen ein kurzer Lichtblick

– und nun regnet es schon wieder.

Am Himmel wandern seltsame Gestalten –

ein zorniger Zwerg –

eine Teufelsfratze –

ein Engel.

Ja – ich weiß, liebe Wissenschaftler, das macht nur unser Gehirn, das nach Mustern sucht.

Dennoch – ich bin hoffnungslose Romantikerin – möchte ich mir den Himmel nicht leer und kalt vorstellen, sondern bevölkere ihn lieber mit diesen seltsamen Wesen….;-))

Derweil bereiten sich auch die Helgoländer auf den Advent vor mit

Tüddelkram,

merkwürdigen Haifischzähnen

und Weihnachtsmarkt,

der coronakonform eingerichtet ist.

Ich arbeite zu viel und meine Laune bewegt sich angesichts der allgemeinen Lage zwischen

so –

und so ……

Ach – es ist so leicht, nach Schuldigen für die vierte Welle zu suchen – wer auch immer das sein soll – die Ungeimpften, die Politiker, …….. wer noch? – Das schafft kurzfristig persönliche Entlastung, doch hilft es weiter? – Was bringt es, mit Schuldzuweisungen auf- und einzuteilen, zu segmentieren, auseinander zu nehmen ….. – und dies in einer Situation, die doch alle – wirklich alle – fordert.

Mich macht das nur müde….

Zornig werde ich, wenn ich daran denke, dass ein von mir sehr geschätzter und geliebter Mensch womöglich eine lebenswichtige Operation nicht machen lassen kann, weil ……. ich will es nicht wiederholen!!

Die letzten Finken (mir scheinen es Finken zu sein …) sammeln sich zum Abflug –

Adios – bis zum Frühling.

Am Ende des Regenbogens – so sagt ein altes Märchen – läge ein Schloss …….

PS: Die Ducks stammen nicht von mir (leider, seufz), sondern von dem begnadeten Zeichner Norbert Stolze. Sie sind als Barks-Studien entstanden.

Seltsam beglückt

Fast nahtlos ist der Herbst in den Winter übergegangen.

Letzten Sonntag verabschiedeten sich die Schiffe vom Felsen mit großem Tutkonzert. Das tun sie jedes Jahr, wenn es in die Winterruhe geht und nur noch die ‘Helgoland’ die Verbindung zum Festland hält.

Jetzt sind die letzten Stühle weggeräumt – und wo nicht, da stehen sie wie verwaiste Ferienkinder – und erzählen von Zeiten, in denen die Gäste anstanden, um es sich auf ihnen bequem machen zu dürfen.

Seit gestern fegt der zweite Herbststurm über uns hinweg.

Ein sattes Rauschen – mal zunehmend, mal abflauend – dringt von draußen herein.

Für Städter: Es ist, als wenn man direkt neben der Autobahn wohnt ;-))

Gut – diese Sorte von Autobahn bewirkt, das k e i n Verkehr mehr stattfindet – keine Verbindung zum Festland, kein Schichttausch der Offshore-Techniker.

Stattdessen: Krawall am Himmel.

Ich gehe raus in den Sturm. Der Ort ist wie leergefegt.

Doch an der Klippenkante stehen ein paar Menschen, die die gleiche Idee wie ich hatten.

Der Wind ist so stark, dass kaum wirklich scharfe Bilder entstehen.

Es beginnt zu regnen, kein feiner Landregen, sondern harte schwere Tropfen, die ins Gesicht peitschen.

Ich gehe weiter Richtung Lange Anna. Manchmal muss ich stehen bleiben, weil eine Bö mich einfach festhält, dann geht es wieder weiter.

Kurz vor der Langen Anna begegne ich noch einem Vater mit Kind.

Dann bin ich vollends allein – mit mir, mit dem Sturm, mit meinen Gedanken.

Doch auch die nimmt der Wind mit, als er mir die Kapuze vom Kopf reißt.

Seltsam beglückt lasse ich mich vom Wind nach Hause treiben.

Seit Tagen geht mir ein Lied durch den Kopf –

seltsame Welt ….