Pareidolie

Tolles Wort. Pareidolie, Pareidolie, tralala und tralali.

Es bedeutet sogar etwas (aber ich musste es zuerst in der Wikipedia nachschlagen). Wenn mensch zum Beispiel Gesichter und sonstwas in Wolken erkennt, so wie Kate Bush in „The Big Sky“, dann ist das ein Fall von Pareidolie.

Funktioniert aber auch mit großen roten Felsen.

*Räusper* *Räusper*

„So, liebe winzige Zweibeiner, die ihr mir immer auf dem Kopf herumrennt, bitte alle mal Smartphones aus und Klappe halten, ich habe euch etwas wichtiges zu sagen…“.

Vielleicht sollte ich aber auch mal das Haltbarkeitsdatum auf dem Roquefort-Käse checken ;-) .

Schönwettergedanken

Schönes Wetter heute.

Von der Düne rollt eine Nebelbank auf die Hauptinsel zu. Wenige Minuten später hüllt sie den Leuchtturm im Oberland ein.

Hmm, können wir vielleicht nochmal das Bild von vorvorgestern abends haben? (*Klick* *Klick* *Klick*)

Na bitte. Geht doch.

Aber mit dem Begriff “schönes Wetter” hat es hier ja eine eigene Bewandtnis. Das weiß ich von einem unserer Handwerker, der beruflich häufig auf den Hausdächern herumklettert, also ein Experte.

Schönes Wetter ist nämlich auch dann, wenn der Regen von oben nach unten fällt anstatt von links nach rechts oder umgekehrt. Oder in der Nähe der Steilklippe auch mal von unten nach oben.

Also:

Die ganze letzte Woche hatten wir schönes Wetter. In der Woche davor ging es ja etwas stürmischer zu. So stürmisch, dass der Wellenschlag im Wattenmeer das Helgolandkabel demolierte. Daraufhin gingen zwar nicht alle Lampen aus auf dem Felsen (yay!), aber ab Freitagnachmittag begann die Internetverbindung mehr und mehr zu bröseln, um sich dann für den Rest des Wochenendes komplett frei zu nehmen (buh!).

Das war dann sensationell genug, um es auf die Nachrichtenseiten des Spiegel und der Tagesschau zu schaffen.

Habe ich schon mal erwähnt, dass das Leben im Inselwinter meist eher sensationsarm ist?

Da gibt es dann Schönwettertage, an denen die Auftragsbörsen für Autoren- oder IT-Jobs praktisch leergefegt sind, es sei denn man möchte einen superinformativen Unique-Content-Text von mindestens 2.500 Worten über Wackelpudding schreiben. Waldmeister, um genau zu sein. Und positiv, mit Kaufanreiz.

Es gibt auch Tage, an denen ich dann doch wieder zuviel auf Newstickern herumklicke und durch die Pandemie-Dauerberieselung einen Anfall von “drowning by numbers” bekomme.

Als wären die Infektions- und Todeszahlen nicht schon gruselig genug, sind sie merkwürdigerweise nie (?) ins Verhältnis zur Einwohnerzahl eines Landes gesetzt. Also habe ich meine Mathekenntnisse aus der siebten Klasse wieder ausgegraben und mit Stift und Papier einen Dreisatz ausgerechnet.

Und, weil so schönes Wetter war, gleich einmal in eine Tabellenkalkulation eingetragen.

Bestimmt ist dieser Ansatz auf mindestens zwölfeinhalb Arten und Weisen zu platt. Oder möglicherweise wären in Deutschland gut 50.000 Menschen mehr gestorben, wenn die Dinge so gelaufen wären wie in den USA.

Hm.

Übrigens sind die Zahlen in der Tabelle schon über eine Woche alt. Nein, ich aktualisiere sie nicht täglich. Das ist doch auch irgendwie eine gute Nachricht.

Stattdessen gehe ich mit Fe an den Nordost-Strand und sammle Strandglas.

Das ist gut für die Umwelt, denn eigentlich ist das Jahrzehnte alter Glasmüll, den die Nordsee glattgeschliffen hat. Außerdem sieht es schick aus, wenn man ein Marmeladenglas damit füllt und von unten beleuchtet.

Tja. Schönes Wetter heute. Wieder einmal.

Und sonst so?

Gute Frage. Es ist Winter auf dem Felsen. Da ist traditionell nicht so viel los.

Außerdem ist Pandemie und Shutdown Nummer Zwei. Man rettet sich mit Galgenhumor über die Runden.

An manchen Tagen macht das kluge Telefon “Piep” und man geht aus ganz anderen Gründen gerne in die freiwillige Selbstisolation.

Draußen vor dem Südhafen kocht die Nordsee. Und sie kocht kein gemütliches Süppchen.

Im Hafen selbst ist natürlich nichts los. Wo sonst Urlauber bei einem Kaffee auf ihr Schiff warten, werden Schnelltests “serviert”.

Auch in normalen Zeiten würde heute kein Schiff hierher fahren.

Aber es ist sowieso Donnerstag.

Wegen des #$%?!!!-Virus fährt das Schiff nur Montags, Mittwochs und Freitags für einige wenige Insulaner, Handwerker und Offshore-Arbeiter.

Kombiniert mit der Wetterlage kann da schnell mal eine Woche ohne Schiffsverbindung zusammenkommen.

Dann muss man sich für dringenden medizinischen Bedarf einen anderen Lieferservice suchen.

À propos Medizin: Für uns alle, die keine Krankenpfleger, Ärzte oder Supergenie-Molekularbiologen sind, bleibt nur die Aufgabe, vorsichtig und rücksichtsvoll zu bleiben, weiter unser Ding zu machen, soweit es geht und die Hoffnung nicht zu verlieren.

Ein Regenbogen lässt sich auch von Orkanböen nicht beeindrucken.

(Und ja, zwischen den beiden vorigen Sätzen gibt es eine Beziehung.)

Kleine Welt

Es gibt keine großen Neuigkeiten zu berichten. Nous sommes embarqués.

Bei der Nachbarin gibt es wieder “Segen to Go. Diesmal sogar mit QR-Code!

Der zeigt, Surprise, Surprise, auf die Webseite der Kirchengemeinde.

Ansonsten waren wir noch Fressalien kaufen. Sensation!

Fe bastelt an den Unterrichtsmaterialien für die kommende Schulwoche herum und ich verbreche mal wieder einen Auto-Testbericht. Ich schreibe jetzt aber nur noch über Nostalgie- und Elektro-Karren.

À propos Nostalgie: Gestern habe ich in meinem Foto-Archiv gekramt und mal kurz nachgerechnet: Seit 2014 lebe ich hier, also seit sieben Jahren.

Das hätte ich mir ursprünglich nicht erträumen können. Ich hatte einfach auf ein ziemlich ungewöhnliches Stellenangebot geantwortet und dachte, naja, dass das nicht mehr als ein bezahlter Arbeitsurlaub auf der Insel werden wird. Ein Jahr, maximal.

So kann man sich täuschen.

Und wieder täuschen. Undsoweiter.

Eines Tages fangen dann die Insulaner an, mit dir zu reden und sagen so etwas wie: Na, du bleibst wohl wirklich hier. Und du fühlst dich geehrt.

Ich kam an mit gebrochenem Herzen und leerer Brieftasche. So leer, dass ich mir damals für das Bewerbungsgespräch eine Einzelfahrkarte kaufen musste. Mehr gab der Fahrkartomat nicht her. Zum Glück kam im Laufe des Tages eine überfällige Honorarzahlung ein, sodass ich mir die Rückfahrkarte nicht zusammenschnorren musste.

Leute mit Liebeskummer oder anderen Katastrophen in der Vergangenheit kommen hier immer wieder an. Meistens halten sie es nicht lange aus. Hin und wieder gibt es Ausnahmen.

Und ich war vorerst genug mit Staunen beschäftigt.

Ich war jetzt nämlich Gästeführer auf dem Felsen, obwohl ich aus dem Ruhrpott komme. Also wurde die Inselbücherei für einige Monate zu meinem zweiten Wohnsitz.

Die Bücherei sieht mittlerweile auch ganz anders aus, moderner und heller. Trotzdem erinnere ich mich manchmal etwas wehmütig an die alte “Bücherhöhle”.

Wenn das Wetter es erlaubte, konnte ich das Studienmaterial aber auch an den Strand mitnehmen.

Wie alle Habenichtse landete ich in einer Personalwohnung meines Arbeitgebers im Südhafen. Damals wusste ich noch nicht, dass die für hiesige Verhältnisse relativ luxuriös war.

Häuser auf dem Felsen halten manchmal ungewöhnliche Überraschungen oder Hinterlassenschaften bereit. Das liegt unter anderem daran, dass viele Menschen bei der Rückreise zum Festland ihren Kram hier einfach liegenlassen. Ansonsten muss man den nämlich vom Zoll inspizieren lassen und das kann kompliziert sein.

Nach kurzer Zeit wurde mir allerdings auch klar, dass ich in einer Art WG gelandet war. Das war zeitweise gewöhnungsbedürftig, obwohl ich außerordentlich WG-erfahren bin. Aber dies war eine dedizierte Männer-WG. Später nannte ich sie auch die Murakami-Appartments.

So ein Murakami-Appartment kann ganz lustig sein.

Naja, je nachdem, was man als lustig empfindet. Manchmal kommt man nach Hause und in der Küche findet gerade eine Headbanger-Party statt. So what? Man muss ja nicht jeden Quatsch mitmachen ;-) . Es gibt andere, tollere Erlebnisse.

Das praktische an Männer-WGs? Man kann sich aufführen, als sei man immer noch 13 Jahre alt, ohne komplizierte Fragen von diesen komplizierten Frauen zu beantworten. Das unpraktische?

Tja. Keine Frauen. Aber ich war sowieso nicht auf eine entlegene Insel gezogen, um eine neue Romanze zu suchen.

Und das ist auch das tolle am Beruf eines Gästeführers: Jede Menge soziale Interaktion, viele interessante Leute, aber keine “Komplikationen”. Gekuschelt wird nicht ;-) .

Abgesehen davon, dass irgendwann doch wieder alles anders kam.

Wenn ich in meinem Bild-Archiv blättere, staune ich gelegentlich, wie viele Dinge sich inzwischen verändert haben.

Das war bis 2016 (?) das einzige Verkehrsschild auf der Insel, unten am Fuß des Milstätter Wegs (oder, wie man hier sagt, des Düsenjägerpfades). Ok, es war schon ganz schön abgerockt, aber als es dann eines Tages abgebaut war, fand ich es doch schade. Da konnte man nämlich immer so schön die Sache mit dem Paragraf 50 erklären.

Oder das zweisprachige Schild an der Polizeiwache in der Hafenstraße, auf deutsch und helgoländisch. Das war laut Inselfunk bei manchen Gäste-Honks so beliebt als “Mitnehmsel”, das die Sheriffs irgendwann keine Lust mehr hatten, es zu ersetzen. Schade.

Der alte Lagerschuppen an der Hafenstraße existiert auch nicht mehr. Vor zwei Wochen wurde er abgerissen. Ja, er war alt und verwittert und nicht mehr ganz dicht. Aber das bin ich ja auch.

Die Crew-Schiffe der Windenergie-Firmen gibt es zwar immer noch, aber es sind deutlich weniger geworden. Als ich hier ankam, waren die Bauarbeiten an den Windparks gerade in vollem Gange und die CTVs stapelten sich in sämtlichen Hafenbecken wie Paketdienst-Autos in einer Großstadt.

In den ersten zwei Jahren bin ich noch mit der alten “Atlantis” zum Festland gefahren. Nachdem sie durch die heutige “MS Helgoland” abgelöst war, wurde sie noch ein paar mal zwischen diversen Reedereien hin- und hergeschoben und wird inzwischen in einem türkischen Schiffsfriedhof auseinandergesägt.

Verschwunden sind auch die letzten Telefonzellen, von denen es hier bis 2018 noch zwei Stück gab. Die Insulaner hatten da schon eine alternative Nutzung für gefunden, aber dann wurden sie doch durch magentafarbene “Marterpfähle” ersetzt.

Ich weiß, im Vergleich zum Festland sind das nur Kleinigkeiten. Aber es ist auch eine kleine Welt.

Ich kann mir kaum noch eine andere vorstellen.

Mal ganz unter uns

Tja, jetzt sind wir Insulaner wieder ganz unter uns.

Das kommt immer mal wieder vor in den Wintermonaten, allerdings bisher nicht aufgrund offizieller Verfügungen und Verordnungen.

Wer aufs Festland fährt, muss vor der Rückkehr (oder ersatzweise sofort nach der Ankunft auf dem Felsen) einen C*r*na-Test machen lassen. Zum Vergnügen wird zur Zeit wohl niemand eine solche Reise antreten.

Nachmittags sitze ich an der winterfest verbarrikadierten Landungsbrücke, und lese ein wenig in dem gerade eingetroffenen Buch. Neulich hatte ich einen abendlichen ZVAB-Kaufanfall.

Es ist ungewöhnlich still, weil die Tiefdruckgebiete des Winters sich gerade westlich Spaniens über dem Atlantik austoben. Auf einem Balkon des “Hüs Weeterkant”, in dreihundert Meter Entfernung, reißt ein Handwerker ein Stück Klebeband von der Rolle. So still ist es.

Pustekuchen

Gestern sollte die Abreise der Urlaubsgäste beginnen, aber die Nordsee war anderer Meinung.

Windstärke acht und vier bis fünf Meter Wellenhöhe, da fährt die “Fair Lady” vorsichtshalber nicht mehr. Das Schiff würde das aushalten, aber die die Passagiere, na ja

Also gut, zwei weitere Inseltage für die letzten Gäste, denn das nächste Schiff fährt erst morgen.

Ein weiterer Grund, hier keine Infektionskette haben zu wollen. Das Inselkrankenhaus käme dann ziemlich schnell an sein Limit und eine Verlegung von Patienten aufs Festland wäre schwieriger als anderswo.

Dicht

Nun ist es also offiziell.

Ab Montag müssen alle Gäste abreisen. Weil das aber bei uns so eine Sache ist mit den Verkehrsverbindungen, gilt noch eine “Gnadenfrist” bis zum Mittwoch.

Helgoline (also die mit dem Katamaran) haben nämlich schon vergangene Woche den Schirm zugeklappt, als die neuen Shutdown-Verordnungen und Verfügungen am Horizont sichtbar wurden. Und Cassen Eils (die mit dem Helgoland-Schiff) haben den Fahrplan auf drei Tage pro Woche eingedampft. Aber die Passagierzahlen bewegten sich seit Tagen sowieso schon im bescheiden zweistelligen Bereich. Da hat dann jeder Fahrgast sein persönliches Crewmitglied ;-) .

Inzwischen gibt es auch ein offizielles Fazit der Gemeindeverwaltung.

Kurz gesagt: In einem “normalen” Jahr wären die Gästezahlen ein Desaster gewesen, in diesem Jahr hätten sie schlimmer sein können. Zwei Gäste wurden positiv auf das Virus-dessen-Name-allmählich-Schreikrämpfe-bei-mir-verursacht getestet, aber es ist keine Infektionskette entstanden. Puh!

Fe und ich laufen durchs Oberland, um nachzusehen, ob auch alle weg sind ;-).

Jo, scheint so. Unterwegs finden wir noch einen letzten Nachzügler der Steinschlange und sammeln ihn für die Nachwelt ein.

Die Brutvögel sind ebenfalls abgereist und der Felsen offenbart, wieviel Plastikmüll “wir” in die Nordsee geworfen haben.

Das ist das blaue und orangene Zeugs, das die Vögel nicht von Gras und Tang unterscheiden können. Und in dem sich dann jedes Jahr Jungvögel verfangen und zu Tode zappeln.

Das ist kein schönes Bild, also klickt es nur an, wenn ihr unbedingt die Folgen sehen wollt.

Wir überprüfen kurz, ob die Lange Anna noch steht. Check.

Dann geht es auf der windabgewandten Ostseite wieder zurück zu Licht, Wärme und Abendessen.

Liebe Leute, bleibt gesund und gebt nicht auf.

Ja, ich weiß, ich sollte mich erstmal selbst an meine klugen Ratschläge halten.

Rums

Und da wären wir dann wieder. Der 240. Märztober, irgendwie. Ab heute ist die Insel faktisch vom Festland isoliert.

Der Wortlaut der Verfügung aus Pinneberg ist nicht der gleiche wie vor einem halben Jahr, aber alles in allem läuft er auf dasselbe hinaus. Ohne negativen Carola*-Test kommt keine(r) rein und die Krankenkassen werden die Kosten nicht übernehmen, wenn es “nur” um eine Urlaubsreise geht.

Aber ok, die Saison ist sowieso vorbei. Ich habe noch keinen Insulaner meckern gehört.

Die Krankenhäuser auf dem Festland füllen sich, die Insel leert sich.

Mal sehen, wie lange wir das aussitzen können.

* Ja, ich weiss, es ist schon wieder Galgenhumor, aber eine Freundin auf dem Festland weigert sich schon seit Wochen, das Wort “Corona” auszusprechen, “weil sie das an den Rand des Schreikrampfs bringt”. Die Carolas dieser Welt können natürlich nichts dafür.

Also schön

Ok Leute, das wars.

Die Zugvögel und die Birdies sind wieder abgereist. Traditionell sind die Vogelbeobachter die letzten im Jahr und machen das Licht aus. Die Saison ist gelaufen.

Und schön wars, trotz aller deprimierender Ereignisse in diesem nicht-so-Lieblingsjahr. Deswegen leben wir hier.

Andere Menschen sehen das anscheinend genau so, auch wenn sie nicht gleich vom Festland hierher umziehen. Steigt mal den Jägersteig hinunter zum Strand und seht euch das genauer an. Das sind eine Menge Steine, die mensch da schleppen muss.

Also schön, wie es scheint.

Neue Heimat

Also gut, Schluss mit Sommer. Die Hauptsaison ist zu Ende (wenn sie in diesem, ähhhm, denkwürdigen Jahr jemals so richtig in Gang gekommen ist).

Die Steinschlange, die als Gemeinschaftsprojekt in der Zeit des Frühjahrs-Lockdown begann, ist eingesammelt und hat eine neue Heimat im Atrium der Inselschule gefunden.

Es macht ein wenig wehmütig, aber die Witterung hatte schon einigen Steinen stark zugesetzt und die Leute vom Gartenbauamt , die die Wege im Oberland in Schuss halten, wussten auch nicht so recht, wie sie mit dem Balkenmäher die Wegkante freikriegen sollten.

Vorher sind wir die Strecke noch einmal entlanggelaufen. Da war die Schlange 160 Meter lang und bestand aus 1.500 bis 2.000 Steinen (nein, wir konnten sie nicht wirklich zählen).

Und nun sind wir schon im Herbst. Traditionell ist das die Zeit der Zugvögel, in der viele Vogelbeobachter, auch “Birdies” genannt, nach Helgoland kommen. Dieses Jahr sind aber offensichtlich auch viele späte Gäste dabei, die doch noch irgendsoetwas wie Urlaub in diesem Jahr machen wollen.

Tatsächlich sind es so viele, dass die Gemeindeverwaltung auf dem “Ameisenpfad” vom Südhafen ins Dorf wieder eine Maskenpflicht anordnen muss. Dieses mal erstreckt sie sich bis zur Steilklippe im Oberland, weil sich dort die Birdies häufig auf der Suche nach ornithologischen Raritäten zusammendrängeln.

Wenn ich mich erinnere, wie drollig ich das in den vergangenen Jahren fand, möchte ich beinahe heulen.

Die Stimmung unter den Insulanern ist bedrückt und das nicht nur wegen der explodierenden Infektionszahlen auf dem Festland. Die Gemeindeverwaltung hatte bis zum Juni des Jahres zeitnah in Rundschreiben über die jeweilige Situation berichtet. Seitdem aber nicht mehr.

Am besten wäre es natürlich, wenn es tatsächlich nichts Neues zu berichten gibt. Und trotzdem: Gefühlte oder tatsächliche Lücken neigen dazu, sich auf ihre eigene Weise zu füllen und so brodelt die Gerüchteküche immer ominöser vor sich hin.

Am Nordoststrand lässt ein Sonnenstrahl aus dem Westen noch einmal den Sand und die Dünen aufleuchten. Darüber dunkle Wolken. Der Winter kommt.