Der Weg unter meinen Füßen

Anfang März war ich für eine Woche auf dem Festland.

Es ist keine Spaßreise wie sonst.

Wie sonst, wenn im Frühjahr der Zugvogel in mir erwacht und leise singt: “Lass’ mich ziehen! Lass’ mich fliegen!”

Diesmal habe ich etwas zu erledigen.

Der Felsen versinkt sofort hinter einer Nebelwand. Eine Kultschmonzette aus den 80ern, ‘The Mists of Avalon’, fällt mir wieder ein.

Ich kann gut alleine reisen. Aber es war schöner zu zweit. Ich denke an den Menschen, der mich geliebt hat – und die Dunsttröpfchen vermischen sich mit körpereigenem Salz.

Im Bahnhof von B. zieht die globalisierte Welt an mir vorbei.

Eine kleine blonde Frau fragt, ob der Zug nach D. wirklich fährt. Ich bejahe, suche die Abfahrtszeit noch einmal heraus. Sie erzählt, dass sie ihre Kinder seit Jahren zum ersten Mal sehen wird. Der Ex – und so: “….was Männer alles tun!” – Ich seufze verständnisvoll und denke: Hach, es gibt auch andere…..

Werden und Vergehen liegen nahe beieinander:

Die letzten Reste eines Menschen werden an ihren Platz gebracht und verabschiedet. Unter *******-Bedingungen wird dieser Anlass noch stiller. –

Ein Kindergeburtstag wird gefeiert. NEIIINNN- kein Kinderkontent !!!

Ein Einkauf führt uns zu einer Straße, die ihre letzten Bäume verloren hat. –

OH jaaa – es gibt sehr viel mehr Gründe zu trauern, als über einen persönlichen Verlust ….

z.B. den Zustand der Welt……

Und daneben liegt die pure Lust am Leben:

Auf der Rückfahrt – die letzte Etappe ist immer das Schiff. Zu zweit war es ein Fest: Tirili, tririla, wir fahren nach Hause.

Ich schließe die Tür auf. Die Wohnung ist nicht leer ….. angefüllt mit Atmosphäre.

Ich fühle mich zuhause aufgenommen.

Misty

Ende Februar wird der Felsen in Watte gepackt.

Zwei Tage lang endet der Weg nach spätestens 10 Metern im Nichts.

Manches tritt deutlicher hervor, anderes verschwindet. Die Dinge nehmen neue Formen an….

Reckt sich da ein Vogelsaurier? –

Ich denke an einen Spaziergang vor Jahren in der Bretagne: Ich ging in der Dämmerung über das Watt eines Aber und schaute auf die gegenüberliegende Uferkante. Etwas glänzte und flirrte dort. Waren das die Dolmen, an denen ich schon gewesen war, oder doch tanzende Feen? –

Es ist still.

Die Galloways stehen Schlange vor ihrem Verschlag – wie echte Briten. Einer schaut herüber: ‘No, Lady’, sagt sein Blick, “we are Scotish.”

Etwas schimmert durch den Dunst – ein kurzer Moment von Transparenz…

Jemand hat einen blassen Lampion ins Grau geheftet.

Abends hat sich der Nebel verzogen, legt den letzten Wintervollmond frei.

Nachts ein Silberfluss auf dem Kirchendach.

Zwischendurch….war auch mal Schnee

”S drätschd’, wie man in Hessen sagt. Selbst wir Insulaner springen bei solchem Wetter nur schnell zum Einkaufen und wieder zurück aufs heimische Sofa. Gott sei dank sind hier die Wege kurz.

Aber vor 7 Wochen … Schnee! Auf Helgoland!

Nach einem Tag Sturm liegt so viel, dass auch hier der Schneeräumer ausrückt.

Die Festländer unter euch mögen jetzt die Achseln zucken. Im europäischen Mittelgebirge fällt (fast) jedes Jahr Schnee – auf Helgoland das letzte Mal im Januar 2016.

Der Schnee reicht sogar für zwei zeitweilige Nachbarn. Die Kinder von gegenüber haben sie standesgemäß ausgestattet. Schade, dass sie schon nach zwei Tagen wieder den “Kopf verloren” haben.

Die Insulaner sind mit Kind und Kegel unterwegs. Das ist man hier nur an hohen Feiertagen, wenn noch keine Touristen da sind. Und auch uns treiben Sonne und Schnee nach draußen.

Nein – der Schatten neben mir ist nicht T., sondern mein Sohn, der für drei Wochen nach Helgoland gekommen ist, um nach seiner maman zu schauen.

Wir gehen zur Langen Anna, sitzen dort, reden manchmal, schweigen.

Über was (erwachsene) Söhne und Mütter sprechen? Nun ja, Familiengeschichten, Verluste, den Fortgang der Welt, persönliche Wege….

Abends in der Küche beim Kochen ist die Atmosphäre plötzlich so dicht, als ob drei Menschen werkeln.

Schade, wir hätten auch zu dritt die Zeit sehr genossen….

Ein paar Stunden und Zeilen später ….. der Regenvorhang geht auf und – tata…

das täglich ewige Schauspiel beginnt aufs Neue.

In eigener Sache

Wie in einem Bühnenhaus irgendwann die Intendanz und die Regie übergeben werden muss, so ist es auch beim halunder blog.

Ein früherer Autor ist gegangen. Eine Autorin – Frida – tritt die Nachfolge an. Wer Frida ist, kann im Impressum nachgelesen werden.

Der Rahmen, den der frühere Autor John Raoul Dombart angelegt hat, ist ein sehr schöner und soll erhalten bleiben.

Aber Frida, als die ich den blog weiterführe, wird vielleicht hier oder da andere Akzente setzen und einen eigenen Stil entwickeln. An die alten Geschichten, die der geliebte Autor toll erzählt hat, werden sich neue anschließen.

Wem dies nicht gefällt, sollte seine feeds zu diesem blog löschen. Den ‘alten ‘blog’ ohne meine Fortsetzung kann man auch unter

https://conifer.rhizome.org/despens/dombart/https://halunder.blog/

genießen.