Von Engeln und einem Inselarzt, von Kindern und Wintern

Dann war der Frühling vorbei –

an einem Montagmorgen zogen Dunstschwaden über den Felsen.

Am Dienstag und Mittwoch heulte der Wind und es regnete.

Am Donnerstag lag Schnee auf dem Friedhof –

so viel wie den ganzen Winter über nicht.

In der Schule kommt mir G. entgegen, die Mütze tief ins Gesicht gezogen.

“Na?” – prüfender Blick von mir. –

“Ist das ein vorgezogener Aprilscherz?”, fragt er verdrießlich wie eine Katze, die durchs Nasse soll.

Beim Bäcker darf ich anschreiben, weil ich meinen Geldbeutel vergessen habe.

“Bei dem Wetter schickt man doch keinen zweimal vor die Tür”, sagt die Bäckerin.

Ich gehe dann doch nochmal schnell raus.

Der Schnee malt weiße Schatten an die mageren Baumgerippe.

Kein Mensch unterwegs, aber an der Friedhofsmauer begegnet mir ein Blümchen –

Frühjahrsgrüße im Winter –

Ob man im Schatten eines Krieges schöne Bilder zeigen dürfe, fragt ein anderer Blogger.

Ja, man darf. Man sollte sogar – ….

Der alte Inselarzt – Kropatschek – schrieb in seinem Kriegstagebuch nicht nur über die kleinen und großen Ereignisse eines Kriegsalltags.

Es wirkt oft so, als habe er den Gegenschnitt gebraucht, um Mensch zu bleiben – nicht selbst aufzugehen in der allgemeinen Stumpfheit, um wach zu bleiben und das Entsetzliche zu sehen und zu dokumentieren.

Der kleine Engel landete nach zwei Wochen des Wartens auf dem Müll des Friedhofes.

Ich habe ihn mit nach Hause genommen…..

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