Schwieriges Idyll

Ich lebe in einer sensiblen Idylle mitten im Meer.

Manchmal denke ich, man sollte diesen Felsen den Wesen überlassen, die verträglicher mit ihm umgehen.

Aber ich lebe hier als Teil der Spezies, die sich jeden Lebensraum auf diesem Planeten zu eigen macht und ihn nach ihren Vorstellungen gestaltet. Da darf ich mich nicht ausnehmen.

Gut: Ich habe in den 70ern und 80ern gegen AKWs und für den Frieden demonstriert. Ich stand gegen die Startbahn West auf der Autobahn und zeigte gegen Nazis Flagge. Ich hängte bemalte Bettttücher gegen den Krieg im Irak in meinem Dorf aus und half Geflüchteten in meine verflixte Muttersprache hinein.

Ich erzog meine Kinder in Achtung vor ihrer Mitwelt – mit Erfolg – wenn auch …..: Mein ältester Sohn prügelte sich bei einem Schulausflug mit einem Klassenkameraden, weil dieser aus purem Übermut Pilze zertrat. Das zog dann andere pädagogische Gespräche nach sich ;-))

Aber war all das genug?

Ich habe in Westdeutschland gesehen, wie die Ruhr jüngst über die Ufer trat. Bilder verbieten sich an dieser Stelle, denn die Verwunderung eines Fischreihers über den neu entstandenen See wäre ein Schlag in den Nacken all derjenigen, die ihre Keller auspumpen, ihre Häuser abreißen müssen oder Angehörige verloren haben.

Und ja – Starkregen an sich hat es immer im Sommer gegeben. Dennoch haben die Stärke und Häufigkeit tatsächlich etwas mit dem Klimawandel zu tun. Das ist keine Frage des Glaubens, sondern nur ein bisschen Physik und Chemie – wird übrigens von Mai Thi Nguyen-Kim und Caroline Wiemann sehr gut erklärt.

Ich sah im Ried tote Waldflecken – nein, nicht einzelne tote Bäume, die es in einem Wald immer gibt, sondern ganze Waldabschnitte, die gestorben waren.

Welche Welt wir als Generation an unsere Kinder übergeben, schmerzt mich. Als Generation sind wir mit unserem fröhlichen Hedonismus und tollen Vorsätzen nicht weit genug gekommen.

Deshalb ist es gut, dass es euch gibt – und ihr wieder da seid:

‘Empört euch!’ – das gebe ich euch als alte Frau mit. Es stammt von einem noch viel älteren Mann – Stéphane Hessel.

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