Misty

Ende Februar wird der Felsen in Watte gepackt.

Zwei Tage lang endet der Weg nach spätestens 10 Metern im Nichts.

Manches tritt deutlicher hervor, anderes verschwindet. Die Dinge nehmen neue Formen an….

Reckt sich da ein Vogelsaurier? –

Ich denke an einen Spaziergang vor Jahren in der Bretagne: Ich ging in der Dämmerung über das Watt eines Aber und schaute auf die gegenüberliegende Uferkante. Etwas glänzte und flirrte dort. Waren das die Dolmen, an denen ich schon gewesen war, oder doch tanzende Feen? –

Es ist still.

Die Galloways stehen Schlange vor ihrem Verschlag – wie echte Briten. Einer schaut herüber: ‘No, Lady’, sagt sein Blick, “we are Scotish.”

Etwas schimmert durch den Dunst – ein kurzer Moment von Transparenz…

Jemand hat einen blassen Lampion ins Grau geheftet.

Abends hat sich der Nebel verzogen, legt den letzten Wintervollmond frei.

Nachts ein Silberfluss auf dem Kirchendach.

Zwischendurch….war auch mal Schnee

”S drätschd’, wie man in Hessen sagt. Selbst wir Insulaner springen bei solchem Wetter nur schnell zum Einkaufen und wieder zurück aufs heimische Sofa. Gott sei dank sind hier die Wege kurz.

Aber vor 7 Wochen … Schnee! Auf Helgoland!

Nach einem Tag Sturm liegt so viel, dass auch hier der Schneeräumer ausrückt.

Die Festländer unter euch mögen jetzt die Achseln zucken. Im europäischen Mittelgebirge fällt (fast) jedes Jahr Schnee – auf Helgoland das letzte Mal im Januar 2016.

Der Schnee reicht sogar für zwei zeitweilige Nachbarn. Die Kinder von gegenüber haben sie standesgemäß ausgestattet. Schade, dass sie schon nach zwei Tagen wieder den “Kopf verloren” haben.

Die Insulaner sind mit Kind und Kegel unterwegs. Das ist man hier nur an hohen Feiertagen, wenn noch keine Touristen da sind. Und auch uns treiben Sonne und Schnee nach draußen.

Nein – der Schatten neben mir ist nicht T., sondern mein Sohn, der für drei Wochen nach Helgoland gekommen ist, um nach seiner maman zu schauen.

Wir gehen zur Langen Anna, sitzen dort, reden manchmal, schweigen.

Über was (erwachsene) Söhne und Mütter sprechen? Nun ja, Familiengeschichten, Verluste, den Fortgang der Welt, persönliche Wege….

Abends in der Küche beim Kochen ist die Atmosphäre plötzlich so dicht, als ob drei Menschen werkeln.

Schade, wir hätten auch zu dritt die Zeit sehr genossen….

Ein paar Stunden und Zeilen später ….. der Regenvorhang geht auf und – tata…

das täglich ewige Schauspiel beginnt aufs Neue.