Rums

Und da wären wir dann wieder. Der 240. Märztober, irgendwie. Ab heute ist die Insel faktisch vom Festland isoliert.

Der Wortlaut der Verfügung aus Pinneberg ist nicht der gleiche wie vor einem halben Jahr, aber alles in allem läuft er auf dasselbe hinaus. Ohne negativen Carola*-Test kommt keine(r) rein und die Krankenkassen werden die Kosten nicht übernehmen, wenn es “nur” um eine Urlaubsreise geht.

Aber ok, die Saison ist sowieso vorbei. Ich habe noch keinen Insulaner meckern gehört.

Die Krankenhäuser auf dem Festland füllen sich, die Insel leert sich.

Mal sehen, wie lange wir das aussitzen können.

* Ja, ich weiss, es ist schon wieder Galgenhumor, aber eine Freundin auf dem Festland weigert sich schon seit Wochen, das Wort “Corona” auszusprechen, “weil sie das an den Rand des Schreikrampfs bringt”. Die Carolas dieser Welt können natürlich nichts dafür.

Also schön

Ok Leute, das wars.

Die Zugvögel und die Birdies sind wieder abgereist. Traditionell sind die Vogelbeobachter die letzten im Jahr und machen das Licht aus. Die Saison ist gelaufen.

Und schön wars, trotz aller deprimierender Ereignisse in diesem nicht-so-Lieblingsjahr. Deswegen leben wir hier.

Andere Menschen sehen das anscheinend genau so, auch wenn sie nicht gleich vom Festland hierher umziehen. Steigt mal den Jägersteig hinunter zum Strand und seht euch das genauer an. Das sind eine Menge Steine, die mensch da schleppen muss.

Also schön, wie es scheint.

Neue Heimat

Also gut, Schluss mit Sommer. Die Hauptsaison ist zu Ende (wenn sie in diesem, ähhhm, denkwürdigen Jahr jemals so richtig in Gang gekommen ist).

Die Steinschlange, die als Gemeinschaftsprojekt in der Zeit des Frühjahrs-Lockdown begann, ist eingesammelt und hat eine neue Heimat im Atrium der Inselschule gefunden.

Es macht ein wenig wehmütig, aber die Witterung hatte schon einigen Steinen stark zugesetzt und die Leute vom Gartenbauamt , die die Wege im Oberland in Schuss halten, wussten auch nicht so recht, wie sie mit dem Balkenmäher die Wegkante freikriegen sollten.

Vorher sind wir die Strecke noch einmal entlanggelaufen. Da war die Schlange 160 Meter lang und bestand aus 1.500 bis 2.000 Steinen (nein, wir konnten sie nicht wirklich zählen).

Und nun sind wir schon im Herbst. Traditionell ist das die Zeit der Zugvögel, in der viele Vogelbeobachter, auch “Birdies” genannt, nach Helgoland kommen. Dieses Jahr sind aber offensichtlich auch viele späte Gäste dabei, die doch noch irgendsoetwas wie Urlaub in diesem Jahr machen wollen.

Tatsächlich sind es so viele, dass die Gemeindeverwaltung auf dem “Ameisenpfad” vom Südhafen ins Dorf wieder eine Maskenpflicht anordnen muss. Dieses mal erstreckt sie sich bis zur Steilklippe im Oberland, weil sich dort die Birdies häufig auf der Suche nach ornithologischen Raritäten zusammendrängeln.

Wenn ich mich erinnere, wie drollig ich das in den vergangenen Jahren fand, möchte ich beinahe heulen.

Die Stimmung unter den Insulanern ist bedrückt und das nicht nur wegen der explodierenden Infektionszahlen auf dem Festland. Die Gemeindeverwaltung hatte bis zum Juni des Jahres zeitnah in Rundschreiben über die jeweilige Situation berichtet. Seitdem aber nicht mehr.

Am besten wäre es natürlich, wenn es tatsächlich nichts Neues zu berichten gibt. Und trotzdem: Gefühlte oder tatsächliche Lücken neigen dazu, sich auf ihre eigene Weise zu füllen und so brodelt die Gerüchteküche immer ominöser vor sich hin.

Am Nordoststrand lässt ein Sonnenstrahl aus dem Westen noch einmal den Sand und die Dünen aufleuchten. Darüber dunkle Wolken. Der Winter kommt.