Der Weg

Sonntags ist mein arbeitsfreier Tag, aber nachmittags habe ich trotzdem einen Termin, um einer netten älteren Dame zu erklären, warum wir gerne an ihrem Balkongeländer eine Freifunk-Antenne montieren möchten. Sie wohnt nämlich am oberen Ende der Steilklippe mit einer super Sichtlinie auf die Router im Unterland.

Tatsächlich reden wir auch ein wenig über Freifunk, verzetteln uns dabei aber andauernd zu ganz anderen Themen: Dieser merkwürdige Felsen, diese merkwürdige Welt, dieses merkwürdige Leben. Als sie zum ersten Mal hierher kam, krabbelte ich noch auf allen Vieren.

Danach gehe ich über das Oberland. Warum, ich weiß es nicht. Vor und hinter mir verschwimmt der Weg im Nebel. Weitergehen, bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen, scheint die Welt zu sagen.

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Der Leuchtturm ist nahezu unsichtbar und die Kraterlandschaft des Oberlandes könnte man mit etwas gutem Willen für sanft geschwungene Hügel halten.

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Hinter der Langen Anna verschwindet die Nordmole des nie vollendeten Hummerschere-Hafens im Nichts.

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An der Radarstation schauen Reste der alten Nazibunker unter der Grasnarbe hervor.

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Hier endet der Weg an der ehemaligen Aussichtsplattform, die im vor-vorigen Dezember in die Nordsee stürzte; ich stehe da im Wind und frage mich, wie ich hierher gekommen bin und was dieser Ort für mich bedeutet. (Und sorry, sorry, ich verrate es an dieser Stelle nicht.)

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Auf dem Rückweg sehe ich hinunter zum Nordost-Strand. Jemand hat ein großes Herz für Eva auf den Strand gezeichnet.

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In spätestens sieben Stunden wird die Flut es wieder mit sich nehmen, aber jetzt lächle ich und denke: Herzlichen Glückwunsch, Eva, wer immer du auch bist.

Arbeitsplätze

An den meisten Tagen ist mein Arbeitsplatz draußen im Freien. Das bringt das Leben als Gästeführer auf dem Felsen so mit sich.

Manchmal springe ich aber immer noch ein, wenn es irgendwelche informationstechnologischen Buschbrände zu löschen gilt. Ich dachte ja, ich hätte im Jahr 2005 dieses Kapitel meines Berufslebens abgeschlossen.

Typischer Fall von denkste.

Heute gibt es mal wieder ein wenig Schneesturm, also keine wißbegierigen Gäste. Diesmal auch keine widerspenstigen Router, Switches oder sonstige Blinkenlights. Stattdessen eine aus dem Ruder gelaufene W*nd*ws-Server-Installation mit 23 Druckern, von denen nur fünf wirklich existieren. Der Rest ist im Laufe der Jahre als Doubletten drübergekleistert worden, frei nach der Devise “Funktioniert irgendwie nicht, also am Besten nochmal installieren”. Örks.

Warum ich das jetzt kapieren soll, weiß ich eigentlich auch nicht so genau. Aber wenn ich es nicht tue, leiden Menschen (manchmal werden die auch Anwender genannt).

Nach einem einstündigen Druckertreiber-Massaker bin ich wieder im Freien. Der Schneesturm ist abgeflaut. Ein paar Offshore-Leute fahren raus zur Baustelle, um sich 60 Meter über der freien Nordsee den hinteren Stoßfänger abzufrieren.

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Aber irgendwas ist ja immer.

Tapetenwechsel

Zuerst gab es Feuerwerk. Piff paff poff. Und ein Astra oben am Falm.

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Danach kam die Kälte und der Schnee. Eine ziemliche Ausnahmeerscheinung auf dem Felsen.

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Dann hatte die Nordsee schlechte Laune. Tagelang.

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Prompt quittierte zuhause der Warmwasser-Boiler den Dienst. Kalt duschen soll ja gesund sein. “Immerhin funktionieren die Heizkörper noch”, dachte ich mir. Am nächsten Tag fiel die Heizung aus.

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Daher nun also ein temporärer Tapetenwechsel. Praktisch, wenn der eigene Arbeitgeber ein Hotel sein Eigen nennt :-) .

Vom Festland kommen wieder beunruhigende Nachrichten und ich ertappe mich, wie ich denke: Was macht ihr bloß da drüben?

Ihr. So, als ginge mich das nichts an.

Denn wer hier auf die Idee kommt, Frauen zu begrapschen, wird – unabhängig von seiner Herkunft – ziemlich bald das grundsätzliche Problem haben, daß er keine Lebensmittel mehr einkaufen kann, weil er in allen Geschäften Hausverbot hat.

White-Out

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Normalerweise schneit es nicht auf Helgoland. Heute ist aber nicht normalerweise.

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Ich wickele mich in meine besten Thermoklamotten, um ein paar Fotos zu machen. Nach 10 Minuten bin ich wieder zurück.

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Geht nicht. Zu kalt.

Im großartigen geheizten Zimmer rechne ich dann nach. Oh, minus 25 Grad Windchill-Temperatur. Ach so.

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Und dann ist da noch das Problem, daß der Schnee nicht liegenbleibt. Nein, er taut nicht, er fliegt ‘rum.

Es schneit aus allen Richtungen gleichzeitig, also nicht einfach von oben auf den Boden, sondern eher so die Wände hoch.

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Also gebe ich auf und gehe wieder nach Hause. Da, wo traulich die Freifunk-Router blinken ;-) .

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Oha, die Bandbreite auf den Mesh-Verbindungen zwischen den einzelnen Routern ist durch das Schneetreiben um acht Prozent gesunken. $%&#???!