Heile Welt

Der Lieferservice bringt eine Pappe Dosenbölkstoff und wenn man abends nach Hause kommt, steht das Zeugs immer noch da.

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Ich weiß, das beweist eigentlich nix. Aber trotzdem denke ich daran, wie ich beim vorletzten Festlandsbesuch im Cuxhavener Bahnhof mal kurz in den Kiosk ging und mir plötzlich heiß und kalt einfiel, daß ich meinen Rucksack mit allen möglichen Kronjuwelen draußen am Bahnsteig hatte stehen lassen. Nix passiert, uff.

H-Kennzeichen

Nein, es ist nicht die originale Bremer Kogge aus dem Jahr 1380. Die hatte noch keinen Flautenschieber, der gelegentlich mal mit Schiffsdiesel betankt werden muß.

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Aber die “Ubena von Bremen” hat jetzt immerhin 25 Jahre auf dem Buckel und trotz allem modernen Schnickschnack ;-) gibt sie schon einen ganz guten Eindruck, wie man vor 600 Jahren als Handelskapitän in der deutschen Bucht unterwegs war.

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Energie

Bis zum Jahr 2009 wurde die Energieversorgung des Felsens von zwei riesigen Dieselgeneratoren sichergestellt. Ja, auch alle unsere Elektrovehikel waren im Grunde Dieselfahrzeuge. Deswegen ist Helgoland auch eine Insel mit Tankstutzen.

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Seit sechs Jahren bringt das Helgoland-Kabel Elektrizität aus dem Festlandsnetz (und eine Menge Glasfaser-Connectivity) zu uns. Der Strom aus den Windparks wird hier wohl nie direkt ankommen, weil die Umwandlertechnik für die Energieübertragung vom Windpark zum Festland so aufwändig ist, daß sich eine Abzweigung für unsere winzige Insel nie lohnen wird.

In den 90ern gab es für kurze Zeit eine eigene Windturbine im Südhafen. Aber der GROWIAN 2 ist für Windenergie-Ingenieure heute vor Allem deswegen wertvoll, weil er gezeigt hat, wie es nicht funktioniert. Nach fünf Jahren und mehreren wirtschaftlichen Totalschäden wurde die Anlage wieder demontiert.

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Eine Ausnahme stellt das Gästehaus der Biologischen Forschungsanstalt im Nord-Ost-Gelände dar. Die haben sich eine eigene Miniturbine aufs Dach gesetzt, einen Darrieus-Helix-Hybriden, der nahezu geräuschlos läuft.

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Trotzdem gibt es noch genug ungelöste ökologische Widersprüche. Die Aufbau-Architektur der 60er-Jahre ist ein ziemliches Energiesieb und die Wärmedämmungs-Nachrüstung wie auf dem Festland wurde aus denkmalpflegerischen Gründen für einige Jahre gestoppt. Im Südhafen-Gebiet haben viele Häuser elektrische Heizkörper, die aus der 230-Volt-Steckdose (!) gespeist werden.

A propos Dose: Ganz zu schweigen von etwa 100 Tonnen pfandfreier Getränkedosen aus den Duty-Free-Läden, die die Inselfrachter pro Jahr zwischen Insel und Festland hin- und herschippern. In Kanada kriegt man dafür zwar 20 Cent Pfand, aber die meisten Besucher und Bewohner fahren gerade nicht nach Quebec und der ganze Kram landet bestenfalls in der gelben Mülltüte.

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Die ersten Berichte des griechischen Forschungsreisenden Pytheas von Massilia im dritten Jahrhundert vor Christus erzählen übrigens von einer merkwürdigen Insel im Nordmeer, auf der die Bewohner in Ermangelung von Bäumen ihre Herdfeuer mit Bernstein speisen. Im Prinzip geht das, wäre aber heute ein etwas kostspieliger Brennstoff ;-).

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